Türchen No. 2: Das Wort - ein Rilke-Gedicht
2. Dezember 2009 von Stephanie Ristig-Bresser | 2 Kommentare
Man muss den Dingen
die eigene, stille, ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen - und dann gebären.
Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt,
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst, dass kein Sommer kommen könnte.
ER KOMMT DOCH!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit in ihnen läge,
so sorglos, still und weit…
Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben
und wie Bücher,
die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht eines fremden Tages
in die Antwort hinein.
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