Theater: Heute hier, morgen da

Die Schauspielerin Ylva Jangsell

(diesen Artikel habe ich ursprünglich für das Magazin Stadtkind verfasst)

 

Ylva Jangsell (Foto: Photovision Daniel Hermann)

Ylva Jangsell (Foto: Photovision Daniel Hermann)

Die Bretter, die die Welt bedeuten - für viele ist diese Metapher der Inbegriff von Theater und Schauspielerei. Braucht Theater eine Bühne? Und wenn welche? „Ich finde, jeder sollte Tanzen und Singen und „Theater machen”, egal ob auf der Bühne, unter der Dusche, für seinen Partner oder für seine Freunde”, programmatisiert die Schauspielerin Ylva Jangsell dies in einem ihrer Flyer. Und ergänzt im Gespräch, was Theater für sie bedeutet: „Dich selbst verstehen lernen, Dich ausprobieren, neue Facetten an Dir entdecken, subtilere Ausdruckformen finden, Lachen, Weinen. Stimmungen einfangen. Intensiv. Und Theater ist außerdem, andere zu verstehen.”

 

Stimmungen einfangen und sie performen - darum geht es Ylva Jangsell auch, wenn sie auf einer Bühne Theater spielt. Große Charaktere reizen sie nicht. „Ich will keine Lady MacBeth oder das Gretchen spielen. Mir geht es darum, Gefühle, Gedanken, Intuitionen zu repräsentieren.”

 

Theater und Schauspiel als Beruf? „Ja, das geht. Mittlerweile kann ich davon leben, auch wenn ich kein festes Engagement an einem staatlichen Theater habe, sondern lediglich an freien Theaterproduktionen, beispielsweise der Theaterwerkstatt, beschäftigt bin”, stellt Ylva Jangsell fest. Dass dies funktioniert, liegt sicherlich auch an Jangsells kreativer Art, mit „Produktionspausen” umzugehen. „Als ich einmal eine Zeit lang arbeitslos war, dachte ich mir zur Überbrückung, Zeitungen auszutragen. Schon nach einem Tag stellte ich fest, dass das nichts für mich ist. Ich brauche das Kreative, die Schauspielerei.”

 

Also fand Ylva Jangsell eine eigene Plattform, um vom Schauspiel zu leben: die Theatertüte. Theater ohne Bühne, ein Theater, das zum Publikum kommt, zu den kleinen Menschen, den ganz kleinen. Theater für Kindergartenkinder, sogar schon für 1,5 Jahre alte Stöpsel. Ein mobiles Theater, das mit wenigen, ausdrucksstarken, farbenfrohen Requisiten auskommt und einer kleinen, einfachen Geschichte, die etwa von den vier Jahreszeiten handelt oder der Reise um die weite Welt mit einer Kamel-Karawane, von Trixie Trichter und ihrer Familie oder dem Ei im Schuh und dem Muh dazu. „Mit der Theatertüte kann ich meine Engagements sehr gut selbst steuern. Die Idee kommt sehr gut an. Die meisten Kitas engagieren mich immer wieder.” Die Stücke stammen übrigens von Ylva Jangsell und Joséphine Schönbach, einer befreundeten Kollegin, die ein Kindertheater in Berlin betreibt.

 

Weiteres Standbein von Ylva Jangsell sind ihre Theaterworkshops Bad Bevensen. „Ich habe insgesamt sieben Jahre intensiven Performance-Unterricht an verschiedenen Einrichtungen in Großbritannien und Dänemark genossen. Jetzt ist es mir ein Bedürfnis, mein Wissen und meine Leidenschaft weiterzugeben.”

 

In 2009 stehen für Ylva Jangsell so einige Produktionen mit der Theaterwerkstatt auf der Agenda. „Babel oder wir bauen ein Haus” heißt das erste europaweite Projekt im europäischen Netzwerk des Goethe-Instituts. Die Theaterwerkstatt ist neben freien Theatern aus Frankreich, Litauen, Polen, Portugal und Spanien mit dabei. Und noch besser: Auch hier geht es weg von der Bühne, rein die Albert-Schweitzer-Schule in Linden. Theater, Sprache, Kulturen erleben mit den Grundschülern.

 

„The spirit in my machine” oder „Das kleine Handicap nicht immer berühmt zu sein” heißt eine weitere Produktion, mit der Jangsell mit ihren Kollegen den Hype um die zahlreichen Castingshows aufgreift. „Mit dieser Wucht, dieser Energie, die Du auf der Bühne stehend vom Publikum beim Applaus bekommst, musst Du erst einmal umgehen lernen, da hineinwachsen. Ich glaube, dass Castings da regelrecht traumatisieren können.” Auch hier geht es also wieder um die Bühne und ihre Bedeutung. Ylva Jangsell schafft sich ihre Bühne selbst. Egal wo, die Hauptsache bleibt: Theater zu spielen.

 

 

Weitere Informationen und Kontakt:

www.ylvajangsell.de

www.theatertuete.de

 

 

Ylva Jangsell habe ich außerdem im Rahmen des Projektes “Mit kultureller Vielfalt zum Erfolg” porträtiert. Insgesamt 20 Unternehmerinnen mit Migrationshintergrund haben wir für dieses Projekt interviewt und porträtiert. Die gesamte Broschüre finden Sie hier: “Mit kultureller Vielfalt zum Erfolg”


0 Kommentare und 1 Trackback/Pingback

  1. [...] « Theater: Heute hier, morgen da [...]

Einen Kommentar schreiben