Räume schaffen für nährende Resonanzen
22. Dezember 2011 von Stephanie Ristig-Bresser | kein Kommentar
Unmada Manfred Kindel, Pädagoge, Künstler, Musiker und Gründer des Kinderwaldes Hannover
Türchen No. 22 im Kulissenblog-Adventskalender 2011
„Wenn Du einen Raum voller Gitarren betrittst und auf einer Gitarre zu spielen beginnst, dann klingen alle Gitarren mit. Das geht aber nur, weil die Gitarren einen entsprechenden Hohlraum, eine Leere in sich haben. Nur so können sie resonieren. Heute sind viele von uns dicht, überflutet von Eindrücken, Informationen, Terminen und Aufgaben. Deswegen gibt es oft nur wenige Resonanzen. Die brauchen wir aber sehr dringend, Kinder wie Erwachsene.” Unmada Manfred Kindel schafft diese Räume. Buchstäbliche Räume, wie etwa den Kinderwald in Hannover-Stöcken, Deutschlands ersten Kinderwald überhaupt. Der Kinderwald erstreckt sich auf etwa sieben Hektar und wurde seit dem Jahr 2000 von Kindern mit Unterstützung von Helfern komplett neu gestaltet. Etwa 1.500 Bäume und Sträucher haben sie seitdem gepflanzt und das Areal komplett nach ihren Wünschen realisiert: Es gibt ein Amphitheater, eine Obstwiese, die Taka-Tuka-Insel oder auch die Insel Luna - und viel Raum zum Toben, Träumen, für Abenteuer und Entdeckungen. Neben diesem buchstäblichen Raum schafft Unmada Manfred Kindel als Musiker und Pädagoge weitere Ausdrucks-Räume für Kinder: Durch seine Lieder, in den Kinderwald-Chören, mit der jährlichen Kinderkarawane zum Masala-Festival.
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Mit dem Grusical „Die fünf Dämonen” hat Unmada mit seinem Team und drei Kindertagesstätten, einem Jugendzentrum und der Grundschule Vinnhorst ein komplettes Musiktheaterstück auf die Bühne gebracht, das sich mit den Problemen dieser Welt beschäftigt und die Agenda 21 thematisiert. Im Jahr 2012 - 20 Jahre nach der Rio-Konferenz könnte das doch auch wieder Thema sein? „Darüber habe ich mir bis jetzt noch keine Gedanken gemacht. Es ist über eine Überlegung wert. Es war für uns alle eine großartige Erfahrung mit einem Jahr intensiver Vorbereitungen und insgesamt 21 Vorstellungen. Das Highlight war aber wohl, dass wir tatsächlich einigen Regenwaldindianern begegneten: das Agendabüro hatte dieses Zusammentreffen arrangiert.”
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Neben seiner direkten Arbeit mit und für Kinder und Jugendliche gibt Unmada Manfred Kindel seine Erfahrungen in Fortbildungen an seine Kollegen in ganz Deutschland weiter. Diese Arbeit nimmt einen großen Teil seiner Zeit in Anspruch: „Ich bin ungefähr zwölf Wochen im Jahr unterwegs und erreiche mit meinen Workshops etwa 1.000 Erzieher pro Jahr.” Da ist Unmada froh, wenn ein wenig Raum bleibt, um neue Dinge anzuschieben. Was beschäftigt denn den Pädagogen und Künstler derzeit? „Ich befasse mich momentan intensiv mit der Gebärdensprache im Kinderlied. Ich glaube, hier bin ich einem Schatz auf der Spur. Gebärden sind vorsprachlich, wir verwenden sie, bevor wir die Worte gefunden haben. Ich glaube, dass bewusst ausgeführte Gebärden uns in die Stille führen können und damit Halt und Orientierung geben können. Nicht ohne Grund ist die Hand im Wort Hand-lung enthalten. Ich wünsche mir, dass ich auf diesem Gebiete noch mehr in die Tiefe gehen kann und bin gespannt, was sich hieraus für neue Wege und Lösungsansätze finden werden.”
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Und warum der Name Unmada? Unmada heißt „verrückt vor Freude”. Manfred Kindel hat den Namen Unmada von Osho verliehen bekommen. Er ist ein Sanyassin, hat einige Zeit in Osho-Kommunen gelebt, damals in den 80er Jahren. „Für mich war das eine Zeit tiefer spiritueller Erfahrungen. Zugleich habe ich beim Scheitern der Kommune am eigenen Leib erfahren, was passieren kann, wenn man nicht mehr auf seine innere Stimme vertraut und ohne Verantwortung lebt. Gleichwohl möchte ich diese Erfahrung nicht missen. Denn jetzt bin ich für alles sensibilisiert, was Selbstlosigkeit predigt, aber Unselbstständigkeit meint. Der Grat zwischen Hingabe und Selbstaufgabe ist schmal. Nur ein Leben in Verantwortung kommt für mich in Frage.”
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Stichwort Glauben. Was bedeutet einem Sanyassin das Weihnachtsfest? „Ich finde, diese Zeit hat eine besondere Qualität. In der Dunkelheit suchen wir die Wärme und Schönheit des Lichts. Das Kind Gottes in der Krippe ist ein schöner Mythos und ein Symbol für den Frieden. Das gehört zu unserem Kulturkreis dazu. Ich halte Religiösität für sehr wichtig und bin der Meinung, dass jeder selbst seine eigenen Zugang zum Numinosen, zum “Großen Geheimnis” finden sollte. Denn die Essenz, das Wesentliche ist in jeder Religion zu finden. Orientierung finden wir in uns selbst, in unserer Mitte, in unserem Herzen. Und diese Orientierung brauchen wir in der Zukunft ganz dringend, bei den ökonomischen und ökologischen Krisen, die auf uns zukommen werden.”
Mit Unmada und der Verleihung des Stadtkulturpreises verbinde ich ganz besondere Momente. Die Augenblicke nämlich, als Unmada das Dankeschön für den Preis das Lied “Wir sind Freunde” sang. Ich glaube der ganze mit 800 Menschen gefüllte Saal war berührt, viele hatten Tränen in den Augen. Dank Thomas Böhm sind diese Momente festgehalten. Vielen lieben Dank - und hier das Video:
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Mehr über Unmada Manfred Kindel und seine Arbeit gibt es hier:
http://www.facebook.com/pages/Kinderwald-Hannover/143889155622515
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