Wo der Name Programm ist
20. Dezember 2011 von Stephanie Ristig-Bresser | kein Kommentar
Nadja Amireh und Anja Beckmann, Inhaberinnen von get noticed! communications GbR
Türchen No. 20. im Kulissenblog-Adventskalender 2011
Notiz genommen habe ich vor etwa neun Monaten, dass sich Nadja Amireh und Anja Beckmann mit get noticed! communications selbständig gemacht haben. Sie starteten mit einem PR-professionellen Paukenschlag mit einer Meldung in der W&V - und haben seitdem gut von sich Reden gemacht - durch diverse Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, durch Vorträge und Workshops auf PR-Kongressen, durch ihr unternehmenseigenes Blog, durch Aktionen im DPRG-Arbeitskreis Markenkommunikation, den die beiden leiten. Chapeau, ich ziehe meinen kollegialen Hut! Ich finde diesen Start sehr beeindruckend und freue mich daher, die beiden für ein Interview gewonnen zu haben. Natürlich geht es um Fachliches, um PR, Social Media und so. Die beiden wissen dazu viel erhellendes beizutragen. Viel Freude beim Interview!
Vor einem Jahr seid Ihr mit get noticed! communications gestartet. Wie habt Ihr zueinander gefunden? Ihr habt ja schließlich zuvor in unterschiedlichen Unternehmen gearbeitet…
Anja: Wir sind über Xing in Kontakt gekommen und haben uns bei einer Veranstaltung der DPRG (Deutsche Public Relations Gesellschaft) persönlich kennengelernt. Schnell wurde uns klar, dass wir vieles gemeinsam haben: Beide haben wir zehn Jahre lang für große Markenartikler gearbeitet - Nadja für Henkel und ich für Starbucks sowie Kraft Foods (z. B. Jacobs, Milka, Philadelphia). Dabei haben wir viel Erfahrung gesammelt in der klassischen PR online und offline, Social Media sowie in Spezialbereichen wie Krisenkommunikation.
Nadja: Und wir hatten ein Ziel gemeinsam: Wir wollten selbstständig arbeiten. Deshalb haben wir mit get noticed unsere eigene Agentur für PR & Social Media gegründet. Wir haben zwei Standorte in Köln und Düsseldorf - so bleiben wir unseren jeweiligen Wohnorten treu. Ein Jahr nach der Agenturgründung können wir zu unseren festen Kunden zählen: den Gebäckhersteller Lambertz, das Lifestyle-Unternehmen Oregon Scientific und das Reiseunternehmen TMS. Daneben haben wir zahlreiche Projektkunden, wie Liro (E-Reader des Buchhandels) und das Universitätsklinikum Erlangen.
jj
Neben den klassischen Public Relations liegt Euer Schwerpunkt also auf Social Media Relations. Wie seid Ihr selbst mit Social Media in Berührung gekommen? Was sind Eure ersten Erfahrungen mit den Social Media gewesen?
Nadja: Ich bin schon immer offen für Neues gewesen. Die ersten Social Media Erfahrungen habe ich mit Xing gesammelt, dann kamen schnell Netzwerke wie Facebook und Twitter hinzu. Vor ein paar Jahren habe ich auch mein erstes Blog gestartet. Ich habe gemerkt, dass mir die schnelle und persönliche Kommunikation über Social Media liegt, Spaß macht und ich viel positive Resonanz erhalte.
Anja: Social Media fand ich von Anfang an spannend, ich habe sie ausgiebig getestet und schnell positive Erfahrungen gemacht - privat wie beruflich. Ich habe viele neue Leute kennengelernt, konnte bestehende Kontakte einfacher halten und mein professionelles Profil bekannter machen. Dabei hat auch der Besuch von Branchenevents wie der re:publica, Barcamps oder Twittwochs geholfen. Mein ehemaliger Arbeitgeber Starbucks ist ein Vorreiter in der Social Media Kommunikation, dort konnte ich noch einmal viel lernen. Und als Beta-Testerin des ersten Lehrgangs der Social Media Akademie (SMA) habe ich mir auch noch eine theoretische Grundlage verschafft.
jj
Hand aufs Herz: Geht gute und erfolgreiche Kommunikation auch noch ohne Social Media oder muss sie damit gewürzt sein?
Nadja: Es kommt immer auf das Unternehmen, seine Kommunikationsziele und Zielgruppen an. Als Kommunikationsmanager muss ich darauf meinen Kommunikationsmix abstimmen. Passt alles, kann Social Media ein Baustein sein - für die schnelle, direkte und persönliche Kommunikation mit meinen Zielgruppen.
jj
Gibt es Eurer Meinung nach Branchen, in denen Social Media sehr viel Sinn machen, und Branchen, in denen Social Media weniger Sinn machen?
Anja: Wir kommen beide aus dem Konsumgüterbereich und haben für große Marken gearbeitet, da war der Einsatz von Social Media sehr sinnvoll. Im B2C-Bereich wende ich mich an Endkonsumenten, die Zielgruppe ist also sehr groß. Im B2B-Bereich adressiere ich Geschäftskunden in sehr viel kleinerer Zahl. Viele Menschen interessieren sich für ein Waschmittel, sehr viel weniger für ein Firmen-Softwareprogramm. Auch muss ich schauen, ob die Chancen oder die Risiken des Social Media Einsatzes überwiegen. Es gibt Branchen, bei denen das Krisenpotenzial so groß ist, dass wir vom Einsatz von Social Media abraten.
jj
Euer Kunde Lambertz hat den Nikolaus auf Tour geschickt; dies wird auf Facebook dokumentiert. Wie ist es zu diesem Projekt gekommen?
Nadja: Wolfgang Kimmig-Liebe ist der Lambertz Nikolaus, seitdem er den Inhaber Dr. Hermann Bühlbecker vor einigen Jahren auf einer Veranstaltung kennenlernte. Er arbeitet hauptberuflich bei VW und nimmt jedes Jahr einen Monat Urlaub, um ehrenamtlich Kinder zu beschenken. Auf Facebook führen wir das “Tagebuch des Nikolaus” und zeigen ihn etwa in der Türkei oder in New York. Wir erhalten viele positive Rückmeldungen, da er sympathisch auftritt und mit seinen tollen Fotos die Reise miterleben lässt.
jj
Könnt Ihr ein Beispiel für eine gelungene Social Media-Lösung geben?
Anja: Gelungen ist es immer dann, wenn die Nutzer einen wirklichen Mehrwert erhalten und ihren Bedürfnissen entsprochen wird. Mein ehemaliger Arbeitgeber Starbucks bietet eine gute Mischung aus Trendthemen, Rabattaktionen und bezieht die Nutzer über Crowdsourcing ein. Viele lieben die Marke und drücken ihre Verbundenheit mit Posts auf der Pinnwand aus. Das hat Starbucks bislang über 26 Millionen Facebook-Fans eingebracht. Für mich aus Kundensicht sind zudem Servicekanäle hilfreich wie von der Telekom oder der Bahn.
jj
Könnt Ihr ein Beispiel für eine gelungene integrierte Markenkommunikation geben, die sowohl klassische PR als auch Social Media einbezieht?
Nadja: Für mich ein sehr gelungenes Beispiel integrierter Kommunikation ist die Kampagne “Lego for Men”. Das Unternehmen entwickelte eine 360-Grad-Kampagne, die ab September 2010 auf allen Kanälen lief: Print-, TV- und Onlinemedien. Es gab acht Anzeigenmotive und die TV-Spots liefen z. B. auf dem Männersender DMAX und auf Sky während der Bundesliga-Übertragung. Parallel launchte Lego eine Kampagnenwebsite (www.LEGOforMen.de), die den Raupenbagger mit all seinen Funktionen in 3D-Optik präsentierte. Auf der Website gab es noch ein weiteres Tool, den sogenannten „Lego Technic Decision Maker 3000″. Dort konnten User eine Frage eingeben, die mit Ja oder Nein zu beantworten war, z. B.: „Bin ich ein Baggerprofi?”. Die Antwort des Decision Makers konnte dann direkt bei Facebook veröffentlicht und mit anderen Usern geteilt werden. Auch der Hinweis auf die Internetseite selbst konnte über Facebook geteilt werden. Aber auch klassische PR-Tools, wie Pressemitteilungen und Hintergrundtexte wurden eingesetzt. Lego sprach gezielt Männer-, Gesellschafts- und Baufachmedien an.
Ihr leitet den Arbeitskreis Markenkommunikation des Branchenverbandes DPRG. Welches waren die schönsten Events, die Ihr mit dem AK umgesetzt habt und welche Projekte sind in der Pipe?
Anja: Wir sind vor einem Jahr mit dem Arbeitskreis Markenkommunikation gestartet. Unser Ziel ist es, den Stellenwert der Markenkommunikation zu steigern und den DPRG-Mitgliedern eine Plattform zu bieten, wo sie sich austauschen und ihr Wissen auffrischen können. Bisher hatten wir Veranstaltungen bei den starken Markenartiklern Lego und Früh Kölsch. Besonders interessant war für mich die Veranstaltung bei Greenpeace zum Thema Social Media. Auch im kommenden Jahr möchten wir namhafte Unternehmen für Veranstaltungen gewinnen.
jj
Auf welchen Social Media- und Public Relations-Kongressen wird man Euch im nächsten Jahr treffen? Welche Termine sind Branchen-Must-Haves?
Nadja: Auf unserem Programm steht der Kommunikationskongress - Europas größte PR-Fachtagung und ein Must für Pressesprecher. Dort haben wir in diesem Jahr zwei Social Media Vorträge gehalten. Dann werden wir wieder zur re:publica fahren, zu Barcamps und Twittwochs. Ansonsten entscheiden wir spontan, denn Kundenprojekte, Dozententätigkeiten und Fachbeiträge fordern ebenfalls ihre Zeit.
jj
Wenn Ihr nicht Kommunikationsmanagerinnen geworden wäret, für welchen Beruf hättet Ihr Euch dann entschieden?
Anja: Ich wollte ursprünglich Journalistin werden. Deshalb habe ich vor und während meines Studiums sieben Jahre lang als Tageszeitungs- und Hörfunkjournalistin gearbeitet. Für den Kommunikationsjob habe ich mich dann entschieden, weil ich ihn noch abwechslungsreicher fand. Bisher ist mir nicht eine Sekunde langweilig gewesen
Nadja: Ich wäre gerne in einen Verlag oder in den Buchhandel gegangen. Bücher waren schon immer meine Leidenschaft. So freue ich mich sehr, dass wir nun von verschiedenen Verlagen immer mehr Rezensionsexemplare zugeschickt bekommen, mit der Bitte sie zu lesen.
jj
Wie verbringt Ihr Weihnachten und Silvester?
Anja: Weihnachten feiere ich mit meiner Familie in Wuppertal. Zu Silvester bin ich mit meinem Freund und Freunden in Hamburg, meiner zweitliebsten Stadt nach Köln.
Nadja: Ich verbringe Heiligabend in Düsseldorf und anschließend fahre ich mit meinem Mann zu seiner Familie. Auch Silvester verbringen wir mit Freunden in Düsseldorf.
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Welche Wünsche habt Ihr?
Anja: Ich wünsche mir, dass unser “Baby” - also die Agentur - weiter wächst und gedeiht. Ansonsten bin ich gerade sehr glücklich: Die Agentur läuft, ich lebe in meiner Lieblingsstadt Köln und Nadja vertritt mich, wenn ich einmal im Jahr auf Reisen gehen (in diesem Jahr war es Australien).
Nadja: Auch ich bin sehr happy, dass unser erstes gemeinsames Jahr so toll lief und wir von unseren Kunden so viel positives Feedback erhalten. Unser „Imperium” wächst und gedeiht - so soll es weitergehen. Aber ich habe mich auch selbstständig gemacht, um meinen Tagesablauf selbst zu bestimmen und freue mich auch zukünftig darauf, dass ich mich z. B. spontan zu einem Frühstück verabreden kann. Die Work-Life-Balance steht ganz oben auf unserer Agenda.
jj
Welche Projekte stehen im kommenden Jahr bei get noticed auf dem Plan?
Nadja: Wir möchten unsere Agentur weiter ausbauen. Unser Ziel ist es, zusätzliche Kunden aus den Bereichen Konsumgüter, Lifestyle, Gesundheit und Bildung zu gewinnen.
Anja: Daneben freuen wir auf die Fortsetzung unserer Dozententätigkeit, etwa bei Euroforum, IHK Düsseldorf und Berliner Journalisten-Schule. Mein Journalistenherz schlägt besonders für unsere Buchprojekte im Jahr 2012.
Mehr zu get noticed und den Inhaberinnen gibt es hier:
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