Michael Bresser in his own words - Teil 2

Von Books-on-Demand zu Bestseller

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja. Moment, ich nehme noch einen Schluck Kaffee zu mir.

Martin und ich schrieben drei Krimis innerhalb kürzester Zeit runter. Wir waren stolz. Das Konzept war gut, Figuren und Handlung witzig. Sowas gab es bisher auf dem deutschen Krimimarkt noch nicht in der Form. Mit einer gesunden Dosis Selbstbewusstsein ausgestattet schickten wir unsere Manuskripte an alle großen Verlage. Erstaunlicherweise hagelte es nur Absagen. Wir waren etwas gefrustet. Dann schickten wir unsere Entwürfe an mehrere kleine Verlage. Ebenfalls nur Ablehnungen. Wie konnten wir nur so verkannt werden. Doch dann erhielten wir Post von einem Verlag in Offenburg. Der Verlegerin gefiel unser Buch außerordentlich gut. Sie wollte es veröffentlichen. Strike. Zur Unterschrift nahmen wir uns einen Tag Urlaub und gondelten in den schönen Südwesten unserer Republik. Die Dame erwies sich als außerordentlich charismatisch. Ihre Ekstase über unsere Werke sprudelten förmlich aus ihren Lippen. Aber irgendwas störte uns. Schließlich kamen wir drauf: Sie hielt sich so allgemein, dass sie unser Buch gar nicht gelesen zu haben schien. Schließlich rückte sie damit heraus, dass wir eine gewisse Anzahl von Exemplaren selber erwerben mussten, uns quasi am verlegerischen Riskio beteiligen sollten. Damals gab es kein Internet, wo man sich über Verlagspraktiken hätte informieren können. Zähneknirschend unterschrieben wir. Ich pumpte mir die dreitausend D-Mark, für einen Studenten ein Heidengeld, von meiner Oma. Und: Und wir hörten nichts mehr von diesem Verlag. Die Chefin war auf einmal nicht mehr für uns zu sprechen. Ständig auf Auslandsreise, unterwegs in Sachen des Wortes. Die Arme. Und nach zwei Monaten erhielten wir Post von der Staatsanwaltschaft Offenburg. Der Verlag sei pleite, bei Vertragsabschluss sei klar gewesen, dass keine Bücher hergestellt werden konnten. Wir waren am Boden zerstört.

Für Jahre. Bis durch das Internet Print-on-demand-Verlage bekannt wurden. Wir entschieden uns, Schafe & Killer (später Die Sau ist tot) als BoD herauszubringen. Natürlich musste das Buch verkauft werden, und das tat es. Monatelang standen wir auf Platz 1 der BoD-Bestsellerliste. N24 drehte einen Beitrag über mich. Die Produktionskosten waren schon lange eingefahren.

Da erhielt ich eine Mail. Ullstein sei an der Serie interessiert und bat uns, die Manuskripte zuzuschicken. Zwei Monate später hielten wir den Buchvertrag mit einem der Großen in den Händen. Klasse, da hatte sich die Plackerei gelohnt. Mittlerweile haben wir dort drei Romane (Schwein gehabt, Die Sau ist tot, Die Sau und der Mörder) veröffentlicht, hunderte Fahrtkilometer für Lesungen runtergerissen und Hektoliter Kaffee vernichtet.

Mein neues Buch Bestseller habe ich mit Hinweis auf die Verkaufserfolge unserer Nannen-Krimis wieder voll Optimismus an verschiedene Verlage geschickt. Die Resonanz war allerdings schlechter als zu Beginn unserer Karriere, denn ich habe ganze zwei Absagen erhalten, die anderen haben sich gar nicht gemeldet.

Daher bin ich den Schritt back to the roots gegangen. Bestseller erscheint im Eigenverlag als BoD. Ich bin mir sicher, dass auch dieser Roman gut bei meinen Fans ankommen wird. Und was die Zukunft bringt? Ich lasse es euch wissen.

 

Bis bald Michael

share and enjoy

  • Facebook
  • Twitter
  • FriendFeed
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Posterous
  • Netvibes

Einen Kommentar schreiben