Michael Bresser in his own words - Teil 1
5. Juli 2009 von Michael Bresser | 1 Kommentar
Ein Schriftsteller-Kollege meinte einmal, es gäbe für ihn nichts Schlimmers als über sich selbst zu schreiben. Nun, ich leide noch nicht an Magenkrämpfen, Pickeln oder absterbenden Gliedmaßen. Ich finde sogar Gefallen daran, meinen Weg zu beleuchten. Wo ich herkomme, wo ich stehe und wo ich hin will. Mache ich eigentlich viel zu selten.
Ich bin mit Büchern aufgewachsen. Unsere Wohnung bestand eigentlich fast nur aus Büchern, zumindest im Wohnzimmer und im Arbeitszimmer meines Vaters stapelten sich Fach-, Sach-, und Belletristik vom Mittelalter bis zur Literatur der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts.
Dabei waren viele Ausgaben doppelt vorhanden. Andere Illustratoren oder eine andere Typographie. Mein Vater war ein Bücherjunkie.
Um das Leben unserer Familie und sein kostspieliges Hobby zu finanzieren, arbeitete er als Studiendirektor für Latein, Griechisch, Russisch und Deutsch. Wenn er mittags nach Hause kam, legte er sich nach dem Essen auf die Couch und hörte klassische Musik, am liebsten Barock. Danach verschanzte er sich bis zum Abendessen in seinem Arbeitszimmer las, schrieb, studierte alte Schrifte oder erlernte neue Fremdsprachen. Für mich gehörten, seit ich lesen kann, Bücher zum täglichen Leben.
Mein Lesedurst wurde zunächst von der Gladbecker Bibliothek gestillt: Karl May, Cooper, Stevenson. Das waren Autoren, die nicht zu Hause zu finden waren. Mir gefiel die Welt meines Vaters; allerdings war ich schon ein wenig neidisch auf die Commodore 64s meiner Schulkollegen. Die Sommerspiele in L.A. hätte ich auch gerne virtuell nachverfolgt. Doch so was gab es bei uns nicht.
Schon bald erkor mir mein Vater als seinen Lektor. Er schrieb Kurzgeschichten, die er mir vorlas und mich zu meinem Urteil fragte. Viele waren gut, manche sogar genial, andere hingegen vertraten für einen normalen Jungen der 80er seltsame moralische Ansichten. Vorehelicher Geschlechtsverkehr oder Frauen im Beruf wurden verspottet. Naja, jeder ist Gefangener seiner eigenen gedanklichen Welt.
Ein einschneidendes Erlbnis auf meine heutige Karriere fand in meinem dreizehnten Lebensjahr statt. Ich wollte auch schreiben, wie mein Vater. Das fand ich sowas von cool. Stories wie Bukowski, Gedichte wie Morrisson und Rimbeaud. Aber erst mal klein anfangen, dachte ich mir. Ich schrieb für meine kleine Schwester ein Märchen, packte sogar eine Message rein und verkleidete sie in blumige Worte. Ich platzte vor Stolz, als ich meinem Vater meine erste Geschichte präsentierte. Der las sie, schob die Brille höhe und sagte: »Mein Junge, dieser Text ist epigonal.»
Welcher dreizehnjährige Köttel weiß, was epigonal bedeutet. Ich behaupte, keiner. Ich spürte nur, dass meinem alten Herrn mein Text nicht gefiel. Ich schaute im Brockhaus nach und fand heraus, dass mein Märchen unoriginell abgeschrieben sein sollte. Enttäuscht zerriss ich den Text und gab die Schreiberei auf.
Mit neunzehn schrieb ich nur noch zwei mittelmäßige Texte für die Abizeitung. Das war’s. Gefunden hat mich das Wort erst wieder durch eine gewisse Leere. Wie fast jeder junge Mensch spielte ich in diversen Rockbands, mal Gitarre, mal Keyboards, mehr schlecht als recht aber voller Begeisterung. Diese teilten jedoch nicht alle Bandmitglieder. Nachdem mein Freund Martin Springenberg und ich zum gefühlten zwanzigsten Mal alleine vor dem Bunker standen, in dem unsere Band Arden probte, beschlossen wir, die Instrumente an den Nagel zu hängen. Doch was sollten wir tun? Es musste etwas sein, wobei nur wir beide involviert waren, weil wir uns aufeinander verlassen konnten. Malen konnten wir beide nicht. Da kam mir nach zwanzig Köpis die Idee: Wir könnten zusammen ein Buch schreiben. Wir lasen beide gerne Krimis. Damit stand das Genre fest. Wir wollten aber keinen Null-Acht-Fünfzehn-Schmöker wie die gerade in Mode kommenden Regionalkrimis verfassen. Er sollte originell und witzig sein. Zu dieser Zeit lief im Fernsehen die außerordentlich packende Serie Ausgerechnet Alaska. Protagonist war ein New Yorker Arzt, der sein Stipendium in Alaska abarbeiten musste. Und dieser Dr. Joel Fleishman hasste Alaska. Diese Konstellation klaute ich und schuf Dieter Nannen, der von Essen ins Münsterland ziehen musste und diesem feindlicher gegenüberstand als Rambo der ganzen Welt. Nach dem ersten Kapitel gab ich Martin meinen Text, und er führte die Story fort. Dann war wieder ich an der Reihe. Und so schrieben wir innerhalb von einem Monat die Urversion von Schwein gehabt, die damals den langweiligen Titel Berufswechsel und Konsequenzen trug.
Bis zur Veröffentlichung war es aber noch ein weiter, weiter Weg. Den schildere ich beim nächsten Mal.
Bis dahin gehabt euch wohl
Liebe Grüße Michael
";
";



1. Anu Geppert
Kommentar vom 2. Dezember 2009 um 17:10
ich will weiter wissen… und jetzt auf Suche Teil 2. Gut das es hier eine interne Suchmaschine gibt. ;0)