Türchen No. 13: Großes Theater - von Lussekaten und Wichteln

Die Schwedin und Schauspielerin Ylva Jangsell

 

Heute ist in Schweden ein ganz besonderer Tag, der dort fast noch wichtiger ist als Weihnachten. Heute feiert man dort das Luciafest. Und wie. Alle feiern - jung und alt, groß und klein, dick und dünn. In Kindergärten und Schulen, in Büros und Werkstätten, in Shoppingcentern, auf der Straße, einfach überall wird der heiligen Lucia gehuldigt. Wie genau gefeiert wird, erzählt uns die Schwedin Ylva Jangsell. Außerdem berichtet die Schauspielerin über ihre Theaterprojekte. Und da gibt es einiges zu erzählen - Jangsell ist nämlich nicht nur als Schauspielerin tätig, sondern hat bereits einige 60 Stücke selbst inszeniert, teilweise selbst geschrieben, und hat 2004 ein eigenes mobiles Theaterprojekt für Kindergartenkinder ins Leben gerufen - das  Theater Tüte. Ein Porträt über Ylva Jangsell finden Sie hier, ich habe es einmal für das Magazin Stadtkind geschrieben.

 

 

Ylva Jangsell (Foto: Klaus Fleige)

Ylva Jangsell (Foto: Klaus Fleige)

Heute wird in Schweden der Luciatag gefeiert. Kannst Du mal erzählen, wie genau ihr den Tag verbringt?

Das Luciafest ist wirklich ein ganz wichtiges Fest in Schweden, bei dem einfach fast alle mitmachen. Der 13. Dezember war früher nach dem Gregorianischen Kalender der kürzeste und somit dunkelste Tag im Jahr. Das stimmt zwar heute nicht mehr so, aber es ist einfach bei dem Tag geblieben. Der Tag der heiligen Lucia ist ja eigentlich ein christlicher Feiertag, aber im Grunde hat er seinen Ursprung in den Sonnenwendfeiern. Das Fest ist auch wenig kirchlich geprägt.
Schon morgens beginnen wir in den Familien zu feiern und setzen unser Fest fort, wo immer wir sie - auf der Arbeit oder in der Schule. Viele Mädchen spielen die Lucia, tragen weiße Gewändern mit einem roten Band und einem Lichtkranz mit Kerzen auf dem Kopf - heute sind das oft elektrische Kerzen. Der Lucia folgen wie in einer Prozession weitere Mädchen, die Kerzen in den Händen halten, aber auch weitere Figuren wie Sternenknaben, Pfefferkuchenmännchen und Wichtel. Dabei wird ganz viel gesungen, spezielle Lucialieder. Außerdem essen wir Lussekaten, Luciakatzen, ein spezielles Weihnachtsgebäck mit Safran, und trinken Glögg, einen skandinavischen Glühwein - die gute Sorte „Blossa” gibt es übrigens bei IKEA zu kaufen.
Viele hier in Deutschland sagen: Na, das ist doch so etwas ähnliches wie der St. Martinstag. Aber das ist nicht vergleichbar. Lucia ist viel größer, es feiert wirklich jeder mit.

 
Und feierst Du das Luciafest auch hier in Hannover?
Natürlich! Und für mich ist es ein Traum, vielleicht im nächsten Jahr ein öffentliches Luciafest hier in Hannover zu veranstalten. Es ist wirklich sehr festlich und fröhlich.

 

Und wie feiert man Weihnachten in Schweden?
Mit ganz viel Essen, insbesondere Schweinefleisch. Früher gab es ja keinen Kühlschrank, aber für Weihnachten hat man ein ganzes Schwein geschlachtet und versucht so viel daraus zu machen wie man konnte - und das heute sich bis heute erhalten. Es gibt: Julskinka - ein besonders gewürzter großer Weihnachtsschinken, natürlich Köttbullar - Fleischbällchen aus Hackfleisch, Prinskorvar - kleine kurze Würstchen, so ähnlich wie Wiener Würstchen oder Bockwurst. Dazu gibt es Braunkohl und Rotkohl.
Es ist eigentlich verrückt, so viel Schweinefleisch auf einmal zu essen. Normalweise esse ich kein Fleisch - außer Fisch, Huhn…. Aber wenn ich Weihnachten in Schweden bin, esse ich gerne Köttbullar von meiner Mutter selbst zubereitet. Neben dem vielen Fleisch isst man in Schweden Milchreis mit Sahne und Mandarinen oder einer “Saftsauce” aus warmem dickflüssigem Saft.
Eine Tradition ist es in Schweden auch, um den Baum zu tanzen - ja, und wir beschenken uns auch gegenseitig.

 

Wie und wo verbringst Du in diesem Jahr Weihnachten und Sylvester?
In diesem Jahr verbringe ich Weihnachten mit meinem Freund hier in Hannover - und wir feiern deutsch mit seiner Familie. Sylvester werden mein Freund und ich bei meiner Schwester in Schweden sein. Für mich persönlich ist Sylvester auch wichtig als Weihnachten. Da geht es oft nur um Geschenke.

  

Was wünschst Du Dir zu Weihnachten?
Ich wünsche mir einen Massage-Gutschein oder einen Aufenthalt in einem Wellnesstempel, außerdem Ruhe und Zeit mit der Familie und Freunden.

 

Was sind Deine aktuellen Theaterprojekte?
Unser aktuelles Projekt mit der Theaterwerkstatt ist das Stück „1…2…3…Blumenmusik!”, das wir gemeinsam mit einer Hannoveraner Schule erarbeitet haben. Ausgangsidee war, dass wir Deutschen uns im Vergleich zu anderen Ländern nach wie vor schwer mit dem Singen tun. Wie aber würde ein Land aussehen, in dem es keine Lieder gäbe…? Mit einem winzigen Satz ausgestattet und begleitet von uns, haben die Kinder großartige Geschichten dazu gewoben. Geschichten über ferne Länder, Drachen, über Entführungen, und bedrohliche Polizeistaaten, Phantastisches und schließlich auch Musikalisches über singende und tanzende Menschen.
„1…2…3…Blumenmusik!” ist der deutsche Beitrag im europäischen Kindertheaternetzwerk „Babel - oder wir bauen ein Haus” des Goethe-Instituts. Idee des Netzwerkes ist es, Europas Kinder über Europas Theatermacher zu verbinden und neue Geschichten für die Bühne zu entwickeln. Im September haben wir das Stück in Lissabonn aufgeführt, jetzt spielen wir es in der Theaterwerkstatt in Hannover.

 

Theatertüte in Aktion (Foto: Matthias Alber)

Theatertüte in Aktion (Foto: Matthias Alber)

Mit der Theatertüte hast Du 2004 ein eigenes mobiles Theater für Kleinkinder gegründet. Was macht die Theatertüte momentan?

Ich habe ein neues Weihnachtsstück geschrieben und inszeniert - „Weißer Winterzauber”, in der eine Winterfee die magischste Jahreszeit entdeckt, die Tiere des Winters und gemeinsam mit den Kindern einen Weihnachtsbaum schmückt. Das Stück kommt sehr gut an. An einem Nachmittag hatte ich 17 Vorstellungen an Kindergärten verkauft.
Für das nächste Jahr schwebt mir vor, ein neues Stück zu entwickeln. Arbeitstitel ist momentan „Feuer, Wasser, Erde, Luft” - ich will mit den Kindern auf eine Reise durch die Elemente gehen. Dazu bin ich gerade dabei, Fördergelder zu beantragen. Ich möchte auch weiter in die Region fahren.

 

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg, liebe Ylva!

 

PS: Derzeit gibt es in der Theaterwerkstatt eine aktuelle Entwicklung, über die ich in den kommenden Tagen berichten werde. Ich will jetzt noch nichts darüber schreiben, erst wenn ich alle Fakten beisammen habe.

 

Und dann noch:

Als Schmankerln für den heutigen Luciatag gibt es ein Rezept für die Lussekatter - Luciakatzen

Lussekatten (Foto: Ylva Jangsell)

Lussekatten (Foto: Ylva Jangsell)

Für etwa 40 Lussekatter oder Lussebullar benötigt man 175 g Butter, 1 g Safran (auf Wunsch), 1 Teelöffel Kardemon (nach Wunsch), 50 g frische Hefe, ½ Liter Milch, 200 g Zucker, ½ Teelöffel Salz, 1400 g Weizenmehl, 50 g Rosinen und ein Ei (zum Einpinseln der Lussekatter). Aus diesen Zutaten wird der gleiche Hefeteig zubereitet.
Sobald der Teig aufgegangen ist formt man auf einem bemehlten Backbrett die Lussekatter und dekoriert sie mit Rosinen. Luciakatzen haben heute sehr unterschiedliche Formen, wobei die klassische Form einem großen S entspricht mit je einer Rosine an der Stelle, wo sich der Teig trifft. Zwei aneinander liegende Lussekatter werden dann als Weihnachtswagen (julvagn) bezeichnet. Die fertigen Lussekatter werden mit Ei bestrichen. Vor dem Backen müssen sie nochmal etwa 30 Minuten gehen, um dann bei 250 Grad etwa 7 Minuten lang gebacken werden.

 

Foto Gebäck: © Twilight_Art_Pictures - Fotolia.com

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1 Kommentar

  1. 1. Michael Bresser

    Kommentar vom 13. Dezember 2009 um 12:50

    Ich freue mich schon auf das Luciafest. Mein Schweden-Bild ist doch sehr von den fröhlichen Astrid-Lindgren-Büchern meiner Kindheit geprägt. Das können auch die düsteren Krimis von Mankell nicht einreißen.

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