Kunst ist auch Kommunikation
17. Juni 2010 von Stephanie Ristig-Bresser | 2 Kommentare
Annette Schwindt über ihr künstlerisches Schaffen
Neben der Arbeit in ihrer Ein-Frau-Agentur schwindt-pr pflegt Annette Schwindt ein großes Hobby, wenn sie die Zeit dafür findet: Kunstwerke kreieren, Malen, Skulpturen erschaffen, Fotografieren… Für diese Leidenschaft hat sie sich mit ihrem Blog www.schwindt-art.com und der Facebook-Fanpage eine virtuelle Plattform geschaffen. Auch zum Thema Kunst habe ich mit Annette Schwindt ein Interview fürs Kulissenblog geführt.
In einem Interview hast Du gesagt, Du malst und zeichnest, seit Du denken kannst. Wann hast Du intensiver begonnen, Dich künstlerisch auszudrücken?
Ich habe schon als Kind privat zusätzliche Kunsterziehung bekommen und dabei die grundlegenden Techniken kennengelernt. Dann hatte ich richtig guten Kunstunterricht im Gymnasium und habe da auch bei einigen Schülerwettbewerben mitgemacht. Ich habe mich schon immer künstlerisch ausgedrückt, ob nun malend, mit verschiedenen Arten von Skulpturen oder Collagen oder beim Fotografieren, hatte immer Kontakt zu anderen Künstlern und habe mich mit deren Werk beschäftigt.
Dabei führt dann oft eins zum anderen. So hat mich ein Videokünstler mal gebeten, Fotos von ihm für sein Projekt zu machen, und dabei habe ich entdeckt, dass ich ein Händchen für Fotoportraits habe. Seitdem mache ich das immer wieder und mit großer Leidenschaft. Zum Malen komme ich leider nicht so oft… Das kommt dann nur in Schüben, wenn irgendwas raus muss.
Was gibt Dir die Kunst - gerade im Vergleich zu Deinem Hauptjob als Kommunikationsberaterin?
Kunst ist auch eine Form von Kommunikation, da kann ich mich wunderbar austoben. Dabei geht es mir meist nur um das künstlerische Arbeiten an sich. Eine Idee kommt, MUSS raus, egal wie spät es ist, und wird dann regelrecht “zur Welt gebracht”. Mit manchen Projekten gehe ich auch schon mal einige Zeit “schwanger”, bis sie sich dann eruptiv entladen. Wenn das geschafft ist, interessieren mich die meisten Bilder gar nicht mehr. Es geht mir vor allem um das Werden, auch um die haptische Erfahrung, mit den unterschiedlichen Materialien umzugehen.
Wo hast Du das Malen gelernt?
Gar nicht.
Ich bin da völlig respektlos. Mir kommt es nicht darauf an, ob etwas irgendeiner Schule entspricht. Es geht nur um das Machen. Wenn ich in eine Ausstellung gehe, dann schaue ich mehr darauf WIE etwas gemacht wurde, als auf den ästhetischen Gesamteindruck. Natürlich gefallen mir manche Kunstwerke mehr als andere, aber meist hängt das damit zusammen, dass ich von der Machart inspiriert bin. Nach einem Ausstellungsbesuch bin ich oft so voll von Eindrücken und Inspiration, dass ich mich sofort wieder ans Schaffen machen muss. So entstehen dann auch mal für mich untypische Bilder wie das Portrait von Mer.
Was und wie malst Du? Wo findest Du Inspiration?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal hab ich einfach das Gefühl: heute brauche ich Blau und dann mache ich das. Ein Konzept habe ich vorher selten. Das entsteht bei der Arbeit. An anderen Tagen habe ich ein neues Material, das ich ausprobieren will, weil es so interessant aussieht oder sich so toll anfühlt. Wieder ein anderes Mal habe ich ein Foto gesehen oder gemacht, das ich gern in ein gemaltes Bild umsetzen will, oder ich war eben bei einer Ausstellung oder muss einfach nur was rauslassen. Deswegen male ich auch besser allein. Manchmal habe ich Besuch von Freunden, die zum Malen herkommen. Aber da ist dann das Gespräch interessanter und was die machen als meine eigene Arbeit.
Einige Deiner Kunstwerke hast Du bereits verkauft. Ist Kunst für Dich ein Business? Verfolgst Du damit auch wirtschaftliche Ziele? Oder ist es eher ein positiver Nebeneffekt, mit Deinen Kunstwerken auch Geld zu verdienen?
Nein, das ist kein Business, sondern innere Notwendigkeit. Meine Art von Ausgleich, bei der ich komplett wegschalten kann.
Ich verschenke oft Bilder an Familie oder Freunde, oder wenn sie jemandem gut gefallen. Wie gesagt: mir geht es ums Machen, nicht um das Endprodukt oder Geld.
Eines Deiner Kunstwerke, “Hexenkessel”, ging im März 2009 auf Tour. Magst Du etwas zu diesem Projekt erzählen?
“Hexenkessel” ist ein Zwillingsgemälde, das mit extra pastosen Acrylfarben im Abklatschverfahren auf zwei mit Leinwand bespannten Keilrahmen von 100×100cm entstanden ist. Eines davon hängt in unserem Wohnzimmer und liefert immer Gesprächsstoff mit Gästen. Das zweite steht eigentlich nur herum, also habe ich es einfach mal an die Rheinpromenade hier in Bonn-Beuel “ausgeführt”. Es war sehr interessant zu sehen, wie die Leute auf “Art on Tour” reagiert haben und wie das Bild in verschiedenen Umgebungen aussieht (Stationen - siehe hier: http://blog.schwindt-art.com/2009/03/31/hexenkessel-on-tour/
Auf Deinem schwindt-ART-Blog schreibst Du ausschließlich auf Englisch. Welche Gründe hat das?
Die meisten Freunde und Künstler, mit denen ich mich über Kunst austausche, sprechen kein Deutsch. Englisch können alle mehr oder weniger. Das Ganze ist ursprünglich mal auf Myspace entstanden.
Auf schwindt-ART stellst Du neben Deinen eigenen künstlerischen Arbeiten auch Künstler vor, die Dich inspirieren und die Du bewunderst. Welche Künstler magst Du besonders? Welche Künstler würdest Du gern noch interviewen?
Oje, die Liste wird für so ein Interview zu lang… Mich inspirieren viele Künstler aus ganz verschiedenen Gründen. Gerade habe ich an einem weltweiten Kunstprojekt von Farzad Kohan (USA) teilgenommen (hier ist der Blogartikel dazu.). Sehr inspirierend finde ich die Skulpturen von Antoine Josse (Frankreich) (Blogartikel dazu gibt´s hier) und die Aquarelle von Morten W. Gjul (Norwegen) (Blogartikel hier) .Gern interviewen würde ich Magne Furuholmen , der mich 2005 dazu inspiriert hat, mich selbst wieder intensiver mit Kunst zu beschäftigen.
Welche kreativen Projekte beschäftigen Dich zur Zeit?
Leider habe ich im Moment gar keine Zeit, mich künstlerisch zu betätigen. Aus Spaß entstand eine kleine Fotoserie von Kaffee-Gesichtern, die mein Mann und ich dann und wann auf Facebook weiterführen http://www.facebook.com/album.php?aid=167067&id=211381029381. Das Ganze entstand aus einem Bild, das ein Freund bei unserer letzten Gemeinschafts-Sitzung für unsere Küche gemalt hat. Ich möchte gern noch ein paar Pendants zum “Hairy Cube” machen, so dass eine ganze Serie von Holzwürfeln mit Haaren entsteht (ich habe noch fast meinen ganzen abgeschnittenen Zopf hier, da ist also noch genug Material vorhanden)
Vielen Dank für Deine inspirierenden Antworten!
Weitere Infos zu Annette Schwindts künstlerischen Aktivitäten:
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1. Annette Schwindt
Kommentar vom 17. Juni 2010 um 15:29
Viele lieben Dank auch für dieses Interview!
2. Art is communication too « Schwindt-ART
Pingback vom 30. Juni 2010 um 20:31
[...] Art is communication too June 19, 2010 — Annette Schwindt English translation of the interview by Stephanie Ristig-Bresser [...]