Türchen No.19: Talent-schmiede Raumgestaltung

Interior-Designerin Susanne Schreiber-Beckmann und warum Räume Potenziale haben

 

Der eine wirkt muffig auf uns, der andere freundlich, wieder ein anderer einladend und motivierend, der nächste beruhigend - so wie wir Menschen Charaktere sind und Stimmungen ausstrahlen, können das auch Räume. Räume haben Talente! Diese zu gestalten, auszuschöpfen und in Einklang mit den Bedürfnissen und Eigenschaften ihrer jeweiligen Bewohner zu bringen, ist das Anliegen von Susanne Schreiber-Beckmann von INTERIOR DESIGN. Innenarchitektur ist für sie weit mehr, als nur “schöne Räume” nach aktuellen Trends zu planen, ist ein Instrument der Potenzialentwicklung.

 

Dass Susanne Schreiber-Beckmann, die Innenarchitektur und Raumgestaltung studierte, ihr Handwerk bestens beherrscht und die Räume perfekt auf ihre Aufgabe vorbereitet und diese mit den Menschen, die in diesen Räumen wirken, in Harmonie bringt, hat sie schon mehrfach unter Beweis gestellt. Neben der Planung diverser privater Räumlichkeiten von einzelnen Zimmern über ein komplettes Mehrfamilienhaus inklusive Garten, ist Susanne Schreiber-Beckmann vor allen Dingen für Unternehmen tätig: Sie konzipierte und gestaltete bereits die Empfangs-, Arbeits- und Besprechungsräume einer Unternehmensberatung, einiger Ladengeschäfte und einer Massagepraxis. Auch die neuen Arbeitsräume von ars:scribendi, die wir Anfang kommenden Jahres endgültig beziehen werden, hat Susanne Schreiber-Beckmann mitgestaltet. Das hat sehr viel Freude bereitet und Sinn geschaffen - aus meinen wagen Vorstellungen, einen Raum in unseren Firmenfarben haben zu wollen, der die Identität von ars:scribendi widerspiegelt, hat Susanne ein stimmiges, edles Ganzes geschaffen, wie ich selbst es nicht allein hinbekommen hätte! Corporate Identity und Corporate Culture sind vielschichtig, sie drücken sich in PR-Aktivitäten, Websites, Events, Kleidung und vielem mehr aus. Eben auch in Räumen. Deswegen freue ich mich auf die Gelegenheiten im kommenden Jahr, in denen INTERIOR DESIGN und ars:scribendi gemeinsam Projekte realisieren werden.

 

Jetzt aber zum Interview mit Susanne Schreiber-Beckmann. Lesen Sie, welche Atmosphäre kreativ macht, was Interior Design und Wertschätzung miteinander zu tun haben und welche No-Gos der Raumgestaltung es gibt…   

 

 

Susanne Schreiber-Beckmann (Foto: Fria Hagen)

Susanne Schreiber-Beckmann (Foto: Fria Hagen)

Einen Deiner Vorträge beginnst Du mit der Frage: Haben Räume Talente? Haben Sie denn welche? 

 

Ich habe die Frage bewusst provokativ gestellt, weil es mir wichtig ist, die Aufmerksamkeit auf Dinge zu lenken, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen, aber dennoch fühlbar sind. Bei vielen Menschen eher unterschwellig ablaufen und eine Wirkung haben,die positiv oder auch negativ sein kann. So wie jeder Mensch Talente hat, hat
auch jede Behausung, sei sie nun privat oder geschäftlich genutzt, unterschiedliche Qualitäten. Sonst würden wir uns alle dieselben Häuser und Wohnungen aussuchen.

Ich persönlich möchte gern wissen, mit wem ich es zu tun habe und das bezieht sich auch auf meine Wohn-Umgebung. Die schaue ich mir sehr genau an. Wie verhalten sich die Menschen, die dort sind, wie sieht die Umgebung aus. Was fühle ich ganz bewusst, wenn ich mich dort aufhalte, draußen und drinnen. Häuser haben Geschichten zu erzählen, man muss nur zuhören.

 

Knapp 3 Prozent aller Arbeitnehmer fühlen sich an Ihrem Arbeitsplatz nicht wohl. Statistische Daten besagen, dass dadurch 220 Milliarden Euro wirtschaftlicher Schaden entsteht. Mit welchen einfachen Mitteln können Unternehmen dafür sorgen, dass es ihren Mitarbeitern besser geht und sie motivierter sind?

Was für ein brachliegendes Potential! Im Grunde ist es ganz einfach. Dafür ist es nötig, den Fokus zu verändern und Mitarbeiter nicht ausschließlich mit ihren Kompetenzen und Leistungen, sondern auch als individuellen Menschen wahrzunehmen. Wenn ich meinem Gegenüber aktiv zuhöre, dann brauche ich nicht mal viele Fragen zu stellen, um diese Bedürfnisse herauszufinden. Raumgestaltung hat meines Erachtens etwas mit Wertschätzung zu tun. Wertschätzung für sich selbst und für Andere.

Wichtig ist der Dialog zwischen Firmenführung und Mitarbeiter, dann findet sich auch eine Lösung, die räumlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter in Konsens mit der Firma zu bringen. Ein Beispiel wäre, den Mitarbeitern aktiv die Möglichkeit zum Gedankenaustausch über Projekte und die Firma zu geben, z. B. in einem eigens dafür konzipiertem Raum der etwas anderen Art, fernab vom üblichen Besprechungsraumkonzept. Ich bin gerade dabei in Kooperation mit Almut Stielau, Unternehmensberaterin von der Wertewerkstatt, einen Entwurf dafür auszuarbeiten. Näheres wird noch nicht verraten. 

 

Farben und Formen erzeugen eine Wirkung. In welchen Farben und Formen sollte ich meine Arbeitsräume gestalten, wenn ich kreativ sein möchte?
Das ist sehr individuell. Jeder Mensch braucht etwas anderes, um seine Kreativität zu entfalten. Ich kann mal einige Beispiele geben was das sein kann: Möglichkeit in die Natur zu schauen (Fenster, ja, es gibt auch fensterlose Arbeitsräume), sich bewegen können (ausreichende Raumgröße oder angrenzende Ausweichmöglichkeit), Arbeiten im Stehen (dafür wäre ein flexibel verstellbarer Schreibtisch oder ein Stehpult nötig), Musik (Installation von Kopfhörern oder abgelegenes Büro, damit sich andere nicht gestört fühlen), Austausch mit Kollegen (Gemeinschaftsbüro). Entsprechend der unterschiedlichen Ansprüche ist auch der Einsatz der Formen und Farben individuell.

Es kann nämlich auch sein, dass ein Mitarbeiter Bewegung braucht, um kreativ zu sein, aber dann Ruhe, um die Ideen zu strukturieren und zu konkretisieren. In diesem Fall könnte die Raumgröße die Bewegung ermöglichen. Die Möblierung in waagerechten und klaren Linien, erdige Gelbtöne oder auch Grün mit hohem Gelbanteil sorgen für die nötige Ruhe.

 

Und bei strukturiert-konzeptioneller Arbeit?
Das hängt immer von den räumlichen Gegebenheiten und dem Menschen ab, der dort arbeiten möchte. Ich gebe so ungern pauschale Antworten. Im ersten Türchen hattest Du Ilona Weirich interviewt. Sie beschreibt Menschen als unterschiedliche Naturelle. Diese Naturelle haben natürlich unterschiedliche Bedürfnisse und deshalb ist für jeden etwas anderes motivationsfördernd, beruhigend oder inspirierend. Am spannendsten finde ich diese unterschiedlichen Bedürfnisse und die Philosophie der jeweiligen Firma unter einen Hut zu bringen.

 

Wie sollte sich eine Agentur einrichten, die gleichzeitig kreativ aber eben  auch konzeptionell tätig ist?
Zum Thema Kreativität habe ich ja Beispiele genannt. Ich würde die unterschiedlichen Büros so gestalten, dass für die verschiedenen Naturelle Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Flexible Möblierung, die in verschiedener Weise zusammengestellt werden kann. Eben je nach Bedarf. Eine andere Idee wären Büros in unterschiedlichen Farben. Gleichzeitig sind klare Linien und Formen wichtig, genügend Stauräume und Ablageflächen, Rückzugsmöglichkeiten und ein Platz für Kommunikation.

 

Gibt es irgendwelche No-Gos, wie ein Arbeitsraum überhaupt nicht gestaltet sein sollte?
Die gibt es. Zum Beispiel: Defekte Möbel, vernachlässigte Pflanzen, wenn Boden und Wände nach Renovierung rufen und das schon seit einigen Jahren, laute Klimaanlagen, wenn Mitarbeiter keine persönlichen Gegenstände an Ihrem Arbeitsplatz haben dürfen, historische Sammlung chirurgischer Instrumente im Wartezimmer eines Zahnarztes. Und wenn wir schon beim Thema Medizin sind, rote Wände in Notfall-Praxen.

 
Wie und wo hast Du selbst Deinen eigenen Arbeitsraum eingerichtet und warum?
Ich arbeite im Homeoffice und habe dafür eine Potentialanalyse ausgearbeitet, um herauszufinden, welcher Raum in der Wohnung am besten für mich und meine Arbeit geeignet ist. Die Einrichtung ist klar strukturiert und weiß. Die Wände sind in einem warmen zarten Grün. Eine Wand wird durch eine chinesische Seidentapete betont, die ich vor Jahren mal gekauft hatte, weil ich sie so schön fand. Ich habe nämlich eine Fable für besondere Tapeten. Der Bodenbelag besteht aus alten aufgearbeiteten Weichholzdielen, die Räume sind alle 2,80 m hoch und ich habe ein sehr großes Fenster.

 
Welches wäre ein Traumprojekt für Dich?
Hm, mal nachdenken. Für mich ist ein Traumprojekt, wenn ich die Wünsche und Ideen meiner Kunden in ihre Räume projizieren konnte. Wenn ich dann viel später zu Besuch bin und höre wie wohl sich alle fühlen, dann hatte ich ein traumhaftes Projekt.

Aber Du meinst sicher, was ich gern mal machen möchte. Ich möchte gern ein Objekt gestalten, wo das Budget eine untergeordnete Rolle spielt, bei dem der ökologische nachhaltige Gedanke ein Hauptkriterium ist und ich nach Herzenslust mit Materialien und Formen spielen kann.

 

Wie können Besprechungsräume ganz einfach eine adventliche Atmosphäre bekommen?
Durch die Mut zum Einfachen: Ein frisch gebundener Adventskranz mit einer großen echten Bienenwachskerze in der Mitte, eine mit Nelken gespickte Orange dazu, sorgt neben Tannen- und Bienenwachsduft für eine dezente Mischung, die die Kommunikation fördert. Kommunikation deshalb, weil viele von uns diese Düfte mit ihrer Kindheit und schönen Erinnerungen verknüpfen können und das ist doch ein schöner Einstieg für ein kreatives Meeting.

 
Wie verbringst Du Weihnachten und Sylvester?
Weihnachten verbringe ich mit meiner Familie und seit einigen Jahren mit einer sehr lieben Freundin ganz in Ruhe. Sylvester haben wir noch keine Pläne, das entscheiden wir meistens ganz spontan.

 

Was wünschst Du Dir zu Weihnachten?
In dem Film „Miss Undercover” mit Sandra Bullock antworten die Miss - Anwärterinnen auf diese Frage immer: „Weltfrieden”. Natürlich habe ich auch ganz profane Wünsche wie Bücher, eine bestimmte Tapete für unsere Wohnung.

 

Welche Pläne hast Du für das kommende Jahr?
Kooperationen intensivieren und daraus gemeinsame Projekte starten.

 

Wo wirst Du mit Deinem Unternehmen in einigen Jahren stehen?
Beim Betriebsausflug auf Madeira in einem guten Hotel mit Meerblick. Zu meinem Team gehören ein Chauffeur (kann auch weiblich sein), ein IT-Fachmann(-frau)und Kooperationspartner.

 

Mit INTERIOR DESIGN und Susanne Schreiber-Beckmann können Sie hier in Kontakt treten:

www.interior-designerin.com

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3 Kommentare und 1 Trackback/Pingback

  1. 1. Ilona Weirich

    Kommentar vom 19. Dezember 2009 um 10:13

    Fria hat Dich wunderbar ins rechte Licht gerückt und auf den Betriebsausflug freue ich mich jetzt schon. Ein wunderbares Ziel!

  2. 2. Stephanie Ristig-Bresser

    Kommentar vom 19. Dezember 2009 um 11:09

    ich finde das foto von fria auch sehr, sehr gelungen. und das mit dem betriebsausflug ist ne klasse aussicht. madeira - toll!!!

  3. 3. Ansichtssachen - Neue Kulissen-Blogtorinnen - Kulissenblog

    Pingback vom 28. Januar 2010 um 00:48

  4. 4. Gardinia

    Kommentar vom 28. Januar 2010 um 19:21

    ja auf dem Foto sieht sie sehr sympathisch aus…

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