Türchen Nr. 11: Glenda Glühwurm und die Grafik-Welt

Illustratorin und Grafik-Designerin Jennifer Peyk

 

Gestatten, Glenda ist ein Glühwurm. Besser gesagt ein kleines Glühwürmchen. Menschenkinder lernen Laufen, sich Benehmen und später Schreiben, Lesen und Rechnen. Und Glendas lernen das Glühen und dürfen sich dann wirklich Glühwurm nennen. Wenn sie es denn irgendwann geschafft haben. Doch Sie können sich sicher vorstellen, dass die Sache mit dem Glühen manchmal gar nicht so einfach ist. Oder etwa doch? „Richtig zu glühen beginnen wir Glühwürmchen, wenn wir das aus uns selbst heraus tun. Ohne großartige Anstrengung. Glühen passiert. Das ist das ganze Geheimnis der Glühkunst”, doziert Horatius Aestuosus, seines Zeichens Direktor der Glühwurmschule. Und Glenda probiert eifrig - und strengt sich dann doch wieder an. Ob sie es wohl jemals lernen wird? …

 

Das ist Glenda Glühwurm

Das ist Glenda Glühwurm

 

Glenda Glühwurm hat ihr Dasein den fantastischen Gedanken einer Person zu verdanken: Jennifer Peyk. In Jennifers Kopf schwirren unendlich viele gute Ideen. Und genauso quirlig, sprudelnd, schwungvoll und lebendig ist sie auch. Unzählige Figuren sind auf diese Weise schon entstanden, einfach weil Jennifer wieder „so eine Idee zu einer Figur” hatte und sie unbedingt zeichnen musste. Aber Jennifer Peyk kann auch anders: Nämlich richtig gut layouten. Gerade hat sie beispielsweise den neuen Jahreskalender für Volkswagen Individual gestaltet.

 

Unser erstes gemeinsames Projekt begann mit einem roten Faden. Der gehört zu Sophie, die ganz viele rote Fäden zusammenführt. Daraus haben wir eine Geschichte gemacht. Die eine hat sie gezeichnet, die andere die Worte „drumherum geschrieben”. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht! Jedem von uns ist sein Part einfach aus seinem jeweiligen Stift geflossen, gerade so wie Glühen passiert. In diesem Sinne hoffe ich, dass wir noch viele gemeinsame Projekte umsetzen, liebe Jenni - und auf die Glenda-Geschichte freue ich mich dabei besonders!

 

jenni

Jennifer Peyk (Foto: Janina Snatzke)

 

 
Du hast Dich gerade selbständig gemacht und Dich sehr bewusst für die Selbständigkeit entschieden. Wie kam das?
Eigentlich habe ich mich schon seit Jahren mit dem Gedanken beschäftigt, gerade da viele meiner alten Kolleginnen diesen Weg schon gegangen sind. Als mir aus wirtschaftlichen Gründen plötzlich gekündigt wurde, war das erst einmal ein Schock, aber dank der Unterstützung meines Lebensgefährten hat sich der Plan bei mir im Kopf schnell gefestigt und die Entscheidung war gefallen.

 

Deine besondere Spezialität sind Illustrationen. Wann hast Du zu zeichnen begonnen und wann war für Dich klar, dass Du das zum Beruf machen willst?
Schon sehr früh. Meine Mutter sagt ich hätte schon Stifte und Schere in der Hand gehalten bevor ich laufen konnte ;-) Geprägt durch die tollen Walt Disney Filme wollte ich dann als ersten Traum an einem Zeichentrickfilm mitwirken. Ich habe sogar meine Puppenstube gemalt. Alles aus Papier gemalt und dann ausgeschnitten, so konnte ich mir alles malen und damit spielen, wie ich wollte. Der Boden meines Kinderzimmers war immer voll mit irgendwelchen Fantasiewelten, die ich mir selber zusammengebastelt habe. Playmobil oder ähnliches fertig gekauftes hat es bei mir fast nie gegeben…

 

Eine weitere von Jennis Figuren

Eine weitere von Jennis Figuren

 

Für welche Medien würdest Du besonders gern illustrieren? Was wäre ein Traumauftrag?

 

Am liebsten würde ich Kinderbücher illustrieren. In die Kinderwelt einzutauchen, ist für mich immer sehr fantasievoll. Ich finde es auch toll, mit Tiermotiven zu arbeiten. Natürlich wäre ein Auftrag von der Firma Walt Disney der Hit! Ich bin froh, dass sie wieder 2D Filme umsetzen! Auch über einen Auftrag von Pixi würde ich mich natürlich riesig freuen.

 

Welches sind Deine Lieblings-Figuren?
Die kennt wahrscheinlich kaum einer: Elfenwelt (oder Elfquest) von Wendy Pini. Das ist eine amerikanische Comicserie.

 

Welche beruflichen Vorbilder hast Du? Gibt es Illustratoren, die Du genial findest?
Wie gesagt Wendy Pini ist wirklich begnadet. Die Reihe von Illustratoren, die bei Disney arbeitet. Oder auch Hayao Miyazika - er erstellt viele Animes (Anm.: Abkürzung für Animationsfilme) und hat auch früher Heidi gezeichnet.

 

Du hast bereits ein Kinderbuch illustriert - die bereits erwähnte Geschichte von Glenda-Glühwurm. Kannst Du einmal über dieses Projekt berichten?
Eher durch Zufall habe ich einen Wettbewerb (Der Meefisch) gefunden, der sich an Illustratoren wendet, die speziell Kinderbücher in eigener Regie entwickeln. Irgendwo tief in einer Schublade befand sich schon die grobe Rohfassung zu Glenda Glühwurm und dann hieß es „auf geht’s”.
Problematisch ist für mich eher das Schreiben gewesen. Bilder hatte ich genug im Kopf, dem ganzen dann eine „runde Struktur” zu geben, war schon schwieriger. Unterstützung bekam ich hier von zwei Freundinnen, die eifrig die Texte ins Reine geschrieben und korrigiert haben. Auch wenn ich bereits in der Vorrunde ausgeschieden war - es konnten von 150 Bewerbern nur 15 weiter kommen, sehe ich das Ganze als sehr gute Erfahrung an. Letztendlich weiß ich auch nun, dass ich mehr Vorbereitungszeit benötigt hätte. Ich habe den Wettbewerb erst sehr spät gefunden. Ich bin stolz auf das, was ich geschafft habe und hoffe das Buch noch mal in Ruhe überarbeiten zu können und dann Verlagen an zu bieten.

 

Jenni, Selbstporträt.

Jenni, Selbstporträt.

 

Wie hast Du Deine Gründungsphase erlebt? Hast Du Unterstützung bekommen?
Unterstützung habe ich eigentlich von allen Seiten erfahren. Ganz wichtig war für mich mein Lebensgefährte, der mir gleich zu Weihnachten ein dickes Buch über die Gründung geschenkt hat und mich auch bei schlechteren Tagen wieder aufrichtet.
Über einen Existenzgründerkurs habe ich meinen späteren Steuerberater kennen gelernt. Der Kurs war intensiv und sehr wichtig für mich. Sechs Wochen lang hat uns der Gründungsberater begleitet und alles Wissenswerte zur Gründung vermittelt. Mit seiner Unterstützung haben wir einen Businessplan erstellt, selbst bei ungewöhnlichen Gründungsvorhaben hat er sich eingearbeitet und weitestgehend alle Fallstricke aufgeklärt.
Ich finde, es ist enorm wichtig, Menschen um sich zu haben, die in ähnlichen Situationen stecken, bzw. sich damit auskennen - um sich auszutauschen zu können, auch wenn es mal nicht so läuft.
Man fühlt sich doch sonst sehr allein gelassen und die geballte Ladung an Informationen kann man alleine kaum beschaffen. Ich habe meine Gründung immer als Berg gesehen auf den ich hinauf will.
Anfangs stand ich ganz unten. Mittlerweile kletter ich eifrig ;-)

 

Wo willst Du mit Deiner Firma in drei Jahren stehen?
Mal überlegen. Ich hätte gerne ein richtiges Büro und das Arbeitszimmer für zu Hause nur noch als „Zweitbüro”. Dann wünsche ich mir Aufträge, die auf automatisch auf mich zu kommen und denen ich nicht hinterher rennen muss, und ein gutes Netzwerk so dass ich einige Arbeiten auch mal abgeben kann.

 

Was sind Deine Hobbies?
Gut illustrierte Kinderbücher sammeln, Backen, Fotografieren, Musik, meine Kater. im Garten arbeiten.

 
Wie wirst Du Weihnachten und Sylvester feiern?
Weihnachten müssen wir immer ein wenig aufteilen, da unsere Familien etwas weiter auseinander wohnen. Wir fahren dieses Jahr erst zu meiner Familie nach Mönchengladbach. Das wird in diesem Jahr besonders aufregend, weil wir nämlich heiraten werden. Danach fahren wir zur Familie meines Mannes ins Saarland. Für mich ist das Zusammensein mit der Familie in diesen Tagen sehr wichtig.
Sylvester werden wir wahrscheinlich dieses Jahr im kleinen Kreis zu Hause feiern. Unsere Nachbarn und einige Freunde sind dabei, und wir werden Raclette machen und uns später ans Lagerfeuer kuscheln.

 

Welche Pläne hast Du für das nächste Jahr?
Da gibt es schon ein paar Pläne: Mein Freund und ich werden im kommenden Jahr kirchlich heiraten. Das wird ein großes privates Ereignis. Beruflich wünsche ich mir, dass meine Firma richtig gut anläuft. Ich hoffe, eine Agentur zu finden, mit der ich längerfristig zusammen arbeiten kann (Anm: Also los, Leute, rührt Euch!). Ein ganz großer Traum ist es, einige gute Projekte im Illustrationsbereich zu bekommen. Und die Glenda-Geschichte will ich überarbeiten.

 

Und dabei wünsche ich Dir ganz gutes Glühen, liebe Jenni!

 

Weitere Infos zu Jennifer Peyk finden Sie unter:
www.jenpey.de


4 Kommentare

  1. 1. Ilona Weirich

    Kommentar vom 11. Dezember 2009 um 09:49

    Liebe Stephanie, jeden Tag mache ich zuerst “Dein Türchen auf”. Es ist ein Adventkalender für Erwachsene und Du machst mir damit ganz viel Freude.

    Freue mich auf die nächsten Türchen….

  2. 2. Jumi Vogler

    Kommentar vom 11. Dezember 2009 um 14:38

    Ich bin ganz begeistert von Glenda Glühwürmchen und allen anderen Figuren und Ideen. Vielleicht können wir mal einen Kaffe trinken im nächsten Jahr?
    Gruß Jumi Vogler

  3. 3. Susanne Schreiber-Beckmann

    Kommentar vom 11. Dezember 2009 um 18:10

    Liebe Steffie,
    jedes Türchen ist spannend und macht mir ganz viel Freude. Mit Glenda Glühwürmchen Kaffee trinken, das wäre klasse!!!

    Lg Susanne

  4. 4. Jennifer Peyk

    Kommentar vom 11. Dezember 2009 um 22:00

    Liebe Steffi,
    ich bin wirklich begeistert wie du diese tolle Idee des Adventkalenders umsetzt und kann dir nur sagen: Weiter so!!! Ich freue mich sehr darüber das wir uns kennengelernt haben und sehe dich als eine ganz große Bereicherung an! An alle Kaffeeinteressierte läßt Glenda ausrichten: Liebend gern ;-)

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