Gestatten, Nannen mein Name.
15. Juni 2009 von Dieter Nannen | 2 Kommentare
Anmerkung der Kulissenblog-Redaktion: Wir freuen uns, dass wir Privatdetektiv Dieter Nannen, über dessen Ermittlungsarbeit das Autorenduo Michael Bresser und Martin Springenberg in seinen Münsterlandkrimis berichtet, für einen Gastbeitrag haben gewonnen können. Lesen Sie hier, was er zu schreiben hat:
Gestatten, Nannen mein Name.
Danke an Steffi für die einführenden Worte. Aber wir können uns auch duzen. Ehrlich, ich bin da nicht so. Wie kommt ein Bulderner Schnüffler -wenn auch der beste seiner Zunft- zu der Ehre, sich beim Kulissenblog produzieren zu dürfen. Eine berechtigte Frage.
Vor langer Zeit lebte ich wie Michael und sein Freund Martin im Ruhrgebiet. Gott segne die Heimat der Currywurst und des König-Pilses. Bei einem Spiel unseres geliebten Fußballclubs Rot-Weiß-Essen trockneten wir die Tränen bei einem Bierchen im Schilder Eck. Nach der zweiten Fricko und dem dritten Kümmel tauschten wir die Nummern. Ich ackerte damals als Prokurist in der Firma meiner Verlobten. Kein Gedanke an Münsterland.
Jedenfalls blieben wir in Kontakt, und die Brüder waren überrascht und entsetzt, als mich Bettina vor die Tür auf die Straße setzte. Das hat damals wirklich weh getan. Vor allem: Der gute und nicht besonders anstrengende Job war natürlich auch passé. Meine persönliche Wirtschafskrise.
Glücklicherweise hatte ich kurz zuvor von einem Onkel einen heruntergekommenen Bauernhof in Buldern geerbt. Einige Leute flüchten nach Hawaii, einige nach Malle, ich nach Buldern. Das ist ein eingemeindeter Stadt- sorry Ortsteil von Dülmen. Und Dülmen liegt wiederum dreißig Kilometer voll Felder, Felder und nochmals Felder von Münster entfernt. Manche Leute sollen die Gegend lieben, hört man so. Götz Alzmann, der alte Akustikcharmeuer, lebt dort freiwillig. Und bei mir im Ort - mir ist es fast ein wenig peinlich - residiert der Jürgen Drews. Habe ihn aber noch nie beim Shoppen getroffen. Der soll seine Mettwurst immer von Malle mitbringen, flüstert der Dorftratsch. Ich habe das Kaff zu Beginn meines Exils verflucht. Noch bin ich kein Rentner, der sich über hochgeklappte Bürgersteige freut. Aber ich schweife ab. Mittlerweile hat man sich arrangiert.
Wie kommt ein Sesselfurzer an einen Job als Privatdetektiv? Nun, die Stellen im Top Management an diesem wirklich international orientiertem Ort sind rar gesät, Ihr glaubt es kaum. Da besuchte ich meinen Kumpel Peter “Gurkennase” Grabowski in Essen. Notorischer Spieler, Säufer und Schwerenöter. Und der hat mir erzählt, dass er als Privatdetektiv die fette Kohle abzieht. Ich bin nicht leichtgläubig, vor allem nicht bei Pedders Dönekes. Aber da war der Wunsch der Vater des Gedanken: Wenn Grabowski mit so einem Business erfolgreich war, sollte es für mich ein leichtes sein. Hatte da ein paar verwegene Vorstellungen aus alten Krimischökern. In jedem Arm eine Blondine und ein Portemonnaie, dessen Gewicht mich fast umfallen ließ.
Nicht lang gefackelt und eine Anzeige in der lokalen Presse geschaltet. Und Ihr glaubt es kaum: Kurz darauf erhielt ich meinen ersten Fall. Eine Arzttochter schwänzte die Schule. Genau das Richtige für einen Detektivazubi. Dachte ich. Doch dann wurde das Mädel ermordet aufgefunden. Sch.. Nee, so hatte ich mir meinen neuen Job nicht vorgestellt. Aber ein Nannen kneift nicht. Mit mehr Glück als Verstand konnte ich den Fall aufklären. Eine unappetitliche Angelegenheit.
Und jetzt komme ich wieder auf Michael und Martin zurück. Die meldeten sich bei mir und fragten, was ich denn so machen würde. Da waren sie doch nicht schlecht erstaunt, was ihr Kumpel Dieter auf die Beine gestellt hatte. Da kam uns dreien eine klasse Idee: Warum schreiben wir meine Geschichten nicht auf? Gar nicht so dumm, aber ich bin gelernter Betriebswirt, da hab ich ein Näschen für gute Ideen. Und die Jungs können schreiben. So kam dann Eines zum Anderen, und schon bald erschien die Geschichte meiner Stadtflucht und dem Mord an der Schülerin bei Ullstein. Könnt Ihr unter “Schwein gehabt” nachlesen. Lohnt sich wirklich.
Aber genug gefaselt. Wie komme ich nun zum Kulissenblog? Michael lernte Steffi kennen und flüchtete aus dem guten alten Pott nach Hannover. Und der machte den Deal für mich klar. Dieter, sagte er neulich, möchtest Du dich den Lesern von Steffis Blog vorstellen. Klar, bin ja nicht schüchtern, hab ich gesagt.
Am Besten lernt Ihr mich aber kennen, wenn Ihr Euch meine weiteren Abenteuer zu Gemüte führt. Mein zweiter großer Fall ließ mich mit einer Gruppe unentspannter Auftragskiller kollidieren. Gut, dass ich es überlebt habe. Findet Ihr unter “Die Sau ist tot”.
Na, und mein letzt Fall war ein ziemlicher Brüller. Ich musste in einem obskuren Dichterzirkel namens “Dülmener Serapionsbrüder” ermitteln. Ein Typ schriller als der andere. Das mag vielleicht lustig klingen, war es aber wirklich nicht. Wenn Ihr Euch an meinen Leiden weiden wollt, “Die Sau und der Mörder” heißt mein dritter Fall. Druckfrisch aus der Ullstein-Bücherpresse.
So genug für heute. Ich freue mich auf regen Kontakt mit Euch. Denkt nicht all zu schlecht über mich, wenn Ihr meine Bücher lest: Hei, ich lerne noch! Es ist kein Meisterdetektiv vom Himmel gefallen.
Alles Liebe und ein gepflegtes Prost aus der westfälischen Tundra
Euer Dieter
Mein Blog: Aus dem Tagebuch eines Landdetektivs
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1. Susanne Stelter-Walter
Kommentar vom 16. Juni 2009 um 10:30
Wer begnadet schreiben kann (und das können Bresser und Springenberg, der ist reich gesegnet.
Die Nannen-Krimis sind die Wucht. Habe herzhaft gelacht und bin schon gespannt auf Folge 4.
Viele Grüße,
Suse
2. Stephanie Ristig
Kommentar vom 16. Juni 2009 um 13:06
Na, dann muss ich den Herrn Nannen wohl öfters bitten hier zu schreiben… Oh je, ob ich mir das leisten kann? Noch schon, aber er ist ja ein baldiger Bestseller-Autor… Also, muss ich ihn mir schnell vertraglich binden ;-).