Farbenlehre von Interior Design: Sonnengelb und sattes Grün
16. Juni 2010 von Susanne Schreiber-Beckmann | 2 Kommentare
Von Interior-Designerin Susanne Schreiber-Beckmann
In diesem Artikel möchte ich den Wonnemonaten ein wenig auf die Sprünge helfen. Darum geht es heute um Farbgeschichten zum Thema sattes Grün und Sonnengelb. Diese Geschichten sind nicht neu, im Gegenteil, zum Teil sind sie aus der Antike oder noch viel Älter.
Farben wirken immer - und Grün wirkt positiv
Farben wirken immer, ob wir das nun wollen oder nicht. Das lässt sich auch nicht kontrollieren. Denn Farben wirken bewusst und unbewusst auf allen Ebenen - auf Körper, Geist und Seele. Sie helfen einander und sich selbst besser zu verstehen. Und deshalb finde ich es so spannend, hinter die Kulissen und über unsere Grenzen hinweg auf die Geschichten der Farben zu schauen.
Dazu gleich ein Beispiel. Im Islam ist Grün eine heilige Farbe. Sie ist Mohameds Lieblingsfarbe und wird mit dem ewigen Leben verbunden. Grün ist bei den Wüstenvölkern nicht nur die Farbe der Oasen, sondern auch des Paradieses. So bedeutet das Wort Paradies auf persisch „grüner Fleck”. Überhaupt gibt es in diesem Kulturkreis keinerlei negative Assoziation zur Farbe Grün und sie wird dort dem Männlichen zugeordnet, ebenso in Ägypten und in China. Im Land der aufgehenden Sonne gilt Grün als Fruchtbarkeitssymbol. Der grüne Jadestein symbolisiert das „Sperma des Himmelsdrachen”. Als Zeichen von Amt und Würden trugen ausschließlich Adlige Jade als Schmuck. Der König Zhoo Mo wurde in einem Gewand mit über 2000 Jadeplättchen beerdigt
In unseren Breiten ist das anders. Je nach Farbnuance bekommt Grün eine andere Bedeutung. Grün besteht als Mischfarbe aus Gelb und Blau. Mischt man mehr Gelb hinzu, verbinden wir das beginnende Leben mit der Farbe und wir schwelgen in Frühlingsgefühlen. Mit einem Spritzer mehr Blau, wird Grün mit Gift und Galle oder sogar dem Teufel, Monstern und anderen Wesen, denen wir nicht um Dunkeln begegnen mögen, in Zusammenhang gebracht. Übrigens gilt Grün in Europa als weiblich, da Grün hier die profane Farbe der Natur ist.
Es soll mehr als 40 verschiedene bezeichnete Grüntöne geben. Und es soll möglich sein, dass wir in der Lage sind mit einiger Übung bis zu 100 Grüntöne zu unterscheiden. Ferner heißt es, je mehr Grüntöne wir unterscheiden können, desto geerdeter sind wir. Wieder ein Grund mehr sich häufig und viel in der Natur aufzuhalten.
Das Grün zu Hause
In unseren vier Wänden wirkt Grün beruhigend und belebend gleichzeitig und schafft eine angenehme Raumatmosphäre. Weil Grün die Farbe der Natur ist, können Räume in ein Paradies verwandelt werden. Sie stärkt den Sehpurpur im Auge. Wer viel am Bildschirm arbeitet sollte daher diesen vor ein Nordfenster mit Blick in die Natur oder vor eine lindgrüne Wand stellen. Haben Sie sich einen Grünton für einen Raum ausgesucht, begutachten Sie diesen vor Ort, da sich Grün zwischen Kunst- und Tageslicht am stärksten von allen Farben verändert.
Und wie sieht das bei Gelb aus?
Wenn Sie sich einen Gelbton in einem Farbfächer ausgesucht haben, sollten Sie diesen mind. eine Farbnuance wärmer wählen, denn Gelb wirkt auf großer Fläche grünstichig. Erscheint Ihnen Gelb auf großen Flächen zu grell und aufdringlich, können Sie es mit Weiß wunderbar kombinieren. Wohin Einen gelbe Farbe im Raum bringen kann, erzählt die berühmte Kurzgeschichte von Charlotte Perkins von 1892 - „Die gelbe Tapete”:
„Ein Arzt bringt seine unangepasste Frau zur Ruhekur in ein einsames Landhaus. Er schließt sie in ein Zimmer mit einer gelben Tapete ein. Die Frau hasst die gelbe Tapete und wird wahnsinnig in diesem gelben Zimmer.”
Zu gegeben keine sehr schöne Geschichte, aber sie erfasst eine der Assoziationen, die mit Gelb verbunden werden, nämlich den Geist und das Denken. Das kann eben Verwirrung oder auch Heilung bedeuten. Übrigens gab es einen sehr berühmten Maler, der uns auf seinen Bildern mit wunderschönen Gelbtönen beschenkt hat. Auch Vincent van Gogh hatte bekannterweise mit seinem verwirrten Geisteszustand zu kämpfen. Man könnte sich jetzt fragen, ob er durch seine Malerei mit Gelb versuchte, seinen Geisteszustand zu kontrollieren oder ob es dessen Ausdruck gewesen ist? Eine interessante Frage, die wir leider nicht mehr klären werden.
Gelb = Geist und Kommunikation
Gelb steht also für den freien Geist, die findige Idee, die Intuition, die Kommunikation von außen nach innen. Zu solchen Menschen wird dann gesagt, sie würden „das Gras wachsen hören” oder sie hätten „Höhenflüge”. Gelb wird als die hellste und strahlendste Farbe neben Weiß empfunden. Sie ist aktiv, heiter und sympathisch. Mit der Farbe Gelb verbinden wir die Sonne und damit Leben und Licht.
Apropos Sonne - dazu zum Abschluss noch eine Geschichte frei nacherzählt aus der griechischen Mythologie und in Kurzfassung:
„Die Nymphe Klythia und die Sonnenblumen”
Der Sonnengott Helios wurde von den Griechen in alter Zeit sehr verehrt, weil er Wärme, Leben und Licht für die Menschen brachte. Auch eine Nymphe, namens Klythia verehrte den Sonnengott sehr. Sie hatte sich wahnsinnig in ihn verliebt. Leider beachtete Helios Klythia nicht, schlimmer noch, er verliebte sich in die Tochter eines Perserkönigs. Das konnte die Nymphe nicht ertragen und sie petzte das Liebesverhältnis zwischen der Prinzessin und dem Sonnengott dem Vater des jungen Mädchens. Der Perserkönig ließ daraufhin seine Tochter lebendig begraben. Helios hatte seine Geliebte verloren, aber er wäre ja kein Gott, wenn er nicht doch etwas hätte tun können. Und so ließ er die Prinzessin als Weihrauchstrauch aus der Erde wachsen. Klythia wurde von Helios zur Strafe in eine Sonnenblume verwandelt. Klythias Liebe zu dem Sonnengott blieb dennoch ungetrübt. Und das ist der Grund, warum die Sonnenblumen ihre Köpfe stets der Sonne zuwenden.
Susanne Schreiber-Beckmann ist Inhaberin der Firma Interior Design. Sie gestaltet Unternehmens- und Privaträume nach den Richtlinien der Architektur-Psychologie. Ihr besonderes Faible ist die stimmige farbliche Ausgestaltung von Räumen. Susanne Schreiber-Beckmann ist Autorin für das Kulissenblog und schreibt darüber hinaus für zahlreiche Fachmagazine zum Thema Interior Design, Farbpsychologie und Wohntrends.
Weitere Infos zu Interior Design: www.interior-designerin.com
Fotos: © MAXFX - Fotolia.com, © fuxart - Fotolia.com, Porträt Susanne Schreiber-Beckmann: Fria Hagen
";
";






1. Sabina Boddem
Kommentar vom 25. September 2010 um 17:05
Das ist ein sehr schöner Beitrag!!!!
Herzlichen Gruß und farbenfrohen Gruß
Sabina Boddem
2. Susanne Schreiber-Beckmann
Kommentar vom 28. September 2010 um 09:14
Vielen Dank, Frau Boddem.