Facebook bietet eine Vielfalt an Möglichkeit - mehr als andere Social Media
17. Juni 2010 von Stephanie Ristig-Bresser | 3 Kommentare
Interview mit Kommunikations- und Facebook-Expertin Annette Schwindt, Autorin des gerade erschienen “Facebook-Buches”
Vor kurzem hat Annette Schwindt ihr “Facebook-Buch als Printmedium im O´Reilly Verlag veröffentlicht (Rezension im Kulissenblog gibt es hier). Ein guter Anlass, um mit ihr ein Interview zu führen. Ich habe Annette u.a. dazu befragt, wie es zu der Veröffentlichung des Buches gekommen ist, was ihre Meinung zur Datensicherheits-Diskussion um Facebook ist, welche Anwendungen sie an Facebook bisher vermisst und wie ihre Social-Media-Workflow aussieht.
Im April 2009 bist Du mit Deinem Blog „In Sachen Kommunikation”, das den Fokus auf Informationen über Facebook legt, gestartet. Wie ist es dazu gekommen?
Einige Wochen nach dem Start meines Blogs habe ich dann angefangen über Facebook zu bloggen, einfach weil ich immer dieselben Fragen gestellt bekam. Eigentlich war das nur als abgeschlossene Serie von zehn Blogposts zu den wichtigesten Grundlagen konzipiert. Aber schon während die ersten Blogposts erschienen sind, kamen zahlreiche Rückfragen und mir wurde klar: mit der geplanten abgeschlossenen Serie wird es wohl nicht getan sein. Es war aber nie geplant, dass Facebook soviel Raum in meinem Blog einnimmt. Ich schreibe dort schon auch noch über andere Themen.
In den letzten Monaten war Facebook sehr stark in der negativen Kritik. Vor allem die Unsicherheit privater Daten wurde bemängelt. Was ist Deine Meinung hierzu?
Wäre Facebook von Anfang an als öffentliche Plattform gestartet (wie z.B. Twitter) und nicht als geschlossenes Netzwerk, wäre sicher einiges anders gelaufen. Aber Facebook konnte aufgrund all der Erweiterungen und Änderungen irgendwann nicht mehr mit sich selber Schritt halten. Wenn man mal bedenkt, wie schnell sich das entwickelt hat, und wie viele verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten Facebook bietet, mussten die Einstellungen dazu ja immer unübersichtlicher werden. Das ging einfach zu schnell. Wenn man dann noch einbezieht, dass das US-amerikanische Verständnis von Privatsphäre nicht dem hierzulande entspricht, musste es zwangsläufig zu dieser Krise kommen. Jetzt ist Facebook erst einmal damit beschäftigt, sich in der eigenen Entwicklung selbst einzuholen. Und da gibt es richtig viel zu tun…
Auf der anderen Seite kann man Facebook nicht dafür verantwortlich machen, was die Leute online von sich preisgeben. Facebook und das Netz an sich sind nun Mal kein geschützter Raum, sondern einfach eine weitere Möglichkeit zu kommunizieren.
Würde ich mich auf den Marktplatz stellen und intime Details von mir herausschreien? Würde ich meine Postadresse, Geburtstag, Telefonnummer auf mein Shirt schreiben oder gar die von Freunden und Familie (ohne sie zu fragen) und damit rumlaufen? Nein. Warum sollte man das also online tun?
Das Problem ist, dass die Leute mit einem Medium umgehen, auf dessen Nutzung sie nicht vorbereitet sind. Woher soll die Medienkompetenz kommen, wenn sie in der Erziehung nicht thematisiert wird? Und wie soll diese Erziehung vonstatten gehen, wenn die Erziehungsberechtigten weniger Erfahrung mit diesen Medien haben als die zu Erziehenden? Da muss unbedingt was passieren! Ich hoffe sehr, mein Buch trägt ein bisschen dazu bei.
Facebook hat derzeit über 500 Millionen Nutzer, Tendenz stark steigend. Was sind Deiner Meinung nach die Besonderheiten und Vorteile gegenüber anderen Social Media, die auch starke Wachstumsraten zu verzeichnen haben, wie etwa Twitter?
Facebook ist ein Web im Web - ich kann dort alle Möglichkeiten an einem Ort nutzen, für die ich sonst viele verschiedene Plattformen einzeln ansteuern müsste. Ich kann dort jede Art von Information mit anderen teilen und diskutieren. Dazu kann ich entweder die Text-, Foto- und Video-Anwendungen von Facebook selbst nutzen oder ich vernetze mich mit meinen externen Accounts und nutze diese dann von Facebook aus. Umgekehrt geben andere Dienste auch die Möglichkeit, automatisch nach Facebook zu exportieren (wie z.B. YouTube und jetzt neu auch FlickR). Man kann sein Blogfeed importieren oder mit der Notizen-Anwendung von Facebook direkt in Facebook bloggen. Und all das können andere kommentieren und weitersagen. Außerdem kann man Facebook als Newsreader verwenden, mit anderen Spiele spielen aber genauso auch zur geschäftlichen Kommunikation nutzen. Diese Vielfalt an Möglichkeiten gibt es sonst nirgends.
Wie sieht Dein Social-Media-Workflow hinsichtlich Deines Business aus? Welches Medium nutzt Du für welche Zwecke? Wie verbindest Du die Medien miteinander?
Darf ich das malen?
Das ist (vereinfacht dargestellt) mein System für schwindt-pr (da käme dann noch das Buchblog und der 2.Twitteraccount nur für Facebook-Tipps dazu, privat habe ich wieder andere Vernetzungen).
Meine statische Website liefert die Basis-Infos und über die Wibiya-Toolbar sind meine wichtigsten Social-Media-Accounts direkt von dort einsehbar. Im Blog schreibe ich regelmäßig (wenn’s geht täglich) und beantworte Leserfragen. Das ist eines meiner Haupt-Dialog-Medien. Die Blogposts werden automatisch getweetet und auf die Facebook-Seite importiert.
Auf Facebook selbst bin ich am aktivsten, das ist mein anderes Haupt-Dialog-Medium für Frage-Antwort und Diskussionen. Auf der Facebook-Seite und via Facebook-Privatnachricht und Chat findet bei mir sehr viel statt. Außerdem lese ich auf Facebook via eigens kreierter Listen meine Feeds (das löst zunehmend meinen Google Reader ab, auf dem ich nur noch ab und zu lese und an Buzz weiterempfehle). Meist empfehle ich direkt auf/von Facebook weiter. Meine Postings auf der Facebook-Seite (aber nicht die importierten Beiträge) werden automatisch getweetet.
Mein Monitoring läuft zum einen über Google Alerts in mein Mail und zum anderen über meine Netvibes-Seite, die auch gleichzeitig als Newsroom für andere dient, und ganz neu auch über Facebook-Gemeinschaftsseiten.
Wo wird Deiner Meinung nach in den kommenden Monaten die Facebook-Reise hingehen?
Im Abschluss-Vortrag der letzten Entwickler-Konferenz im April wurde schon angedeutet, was Facebook noch vorhat. Die Möglichkeiten zum Teilen von Informationen sollen noch weiter ausgebaut werden (z.B. auch in Verbindung mit TV). Zunächst aber muss Facebook seine Kommunikation mit den Nutzern und nach außen dringend verbessern. Für Juli sind außerdem ein paar technische Veränderungen für Facebook-Seiten angekündigt.
Was vermisst Du selbst noch an Facebook? Welche weiteren Funktionalitäten und Anwendungen wünschst Du Dir?
Tja, natürlich das, was wir alle vermissen: bessere Kommunikation mit den Nutzern und einen Support, der über automatische Antwortmails hinausgeht. Das ist, was am dringendsten notwendig ist. Ansonsten: Die Notizen-Funktion wurde ja kürzlich deutlich verbessert (man kann jetzt z.B. auch Fotos hinzufügen). Im Prinzip ist das jetzt schon sowas wie eine einfache Blogplattform. Ich bin gespannt, ob Facebook das in diese Richtung weiterentwickelt. Wünschenswert wäre auch, dass die mobile Nutzbarkeit weiter verbessert wird.
Neben Social-Media gibt es ja auch noch die weiteren, „klassischen” Medien - Print und das Web 1.0. Wie wird sich Deiner Meinung nach die Medienlandschaft verändern? Setzt Du für Deine Kunden auch nach wie vor auch auf Print? Welche Schwerpunkte setzt Du? Wie „orchestrierst” Du die PR für Deine Kunden?
Ich berate andere in Online-Kommunikation. Das heißt, ich zeige auf, was über die neuen Medien alles machbar ist und wie das in die Gesamtkommunikation eingebunden werden kann. Inhaltlich setze ich dabei nichts mehr um, mache also gar keine konkrete PR. Als gelernte Zeitungsredakteurin nehme ich mit Bedauern wahr, wie verstockt sich manche Blätter den Zeichen der Zeit versperren. Artikel nur per Abo lesbar, manche gar nicht online und immer schön New-Media-Bashing betreiben. Einige Große wagen schon erste Schritte in die Online-Welt, sind aber immer noch suboptimal aufgestellt. Wer jetzt nicht den Anschluss findet, der wird bald abgehängt…
Dein Buch ist beim O’Reilly Verlag erschienen. Wie ist es zu der Zusammenarbeit gekommen?
O’Reilly hat mein eBook und meine Blogposts gesehen und mich gefragt, ob ich mir sowas auch als Print vorstellen könnte, analog zum Twitter-Buch von Tim O’Reilly. Das hat mich dann schon gereizt.
Welche Pläne hast Du für die Zukunft? Sind weitere Buchprojekte geplant?
Ja, ich habe da so einige Ideen. Im Moment sind aber noch ein paar Extras zum gerade erschienenen Buch im Werden, die für mich erst mal Priorität haben. Aber generell liegt mir das Buchschreiben schon.
Vielen Dank für die vielen Informationen!
Weitere Informationen zu Annette Schwindt:
und natürlich auch Facebook
http://www.facebook.com/schwindtpr
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1. Annette Schwindt
Kommentar vom 17. Juni 2010 um 15:27
Vielen lieben Dank für Deine Fragen!
2. Lukas Moj
Kommentar vom 2. Juli 2010 um 10:57
Ich habe auch die Vorteile von facebook als Informationsplattform entdeckt. Zuerst habe ich meine Seite “Freunde Schlesiens” als klassischen Blog betrieben, aber der Aufwand zwei Blogs - ich bin auch Autor von http://www.zeitreisen-blog.de - gleichzeitig zu betreiben, ist groß.
So entschied ich mich nun ganz auf facebook umzusteigen. Aus zwei Gründen: Schneller zu publizieren und die zahlreichen vielseitigen Anwendungen (Veranstaltung, Galerien, Videos und weitere Applikationen > Twitter, RSS usw.).
Kurz: Für mich ersetzt die Fan-Seite einen Blog. Weniger Zeitaufwand, weniger Kosten (kein Hosting) und mehr Möglichkeiten.
3. Facebook-Friday No. 1: Frank Forward, Facebook-Frau, flippige Videos - Kulissenblog
Pingback vom 15. Oktober 2010 um 09:58
[...] schützen kann. Ein unbedingte Empfehlung - hier findest Du meine Rezension zum Buch und mein Interview mit Annette Schwindt (einfach auf die Links klicken). Doch jetzt zur Facebook-Seite: Hier ist Schwindt-PR stehts [...]