Wunder 2.0: Die glückliche Erscheinung des “Golden Biker”

“Pastewka in…” war wohl sein bekanntestes Projekt, das er neben vielen weiteren als Autor, Regisseur und Produzent für RTL und einige  TV-Sender mehr realisiert hat. Als Head of Field-Production betreute Alexander von Eisenhart-Rothe zuletzt einen Part der RTL-Doku-Soap “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” und inszenierte beispielsweise die Schatzsuchen.

 

Alexander von Eisenhart-Rothe

Alexander von Eisenhart-Rothe

Von Eisenhart-Rothe ist aber auch in einem weiteren Medium unterwegs: Im Frühjahr 2009 erschien sein erster Road-Roman “Golden Biker”  bei einem indischen Verlag - nachdem der Autor das Buch fast abgeschrieben hatte, weil 14 deutsche Verlage es  abgelehnt hatten. Aktuell hat eine große deutsche Literaturagent Interesse angemeldet, das Buch im Rahmen der Buchmesse promoten zu wollen. (Dafür ist Alexander von Eisenhart-Rothe auf der Suche nach einem aktuellen Titel. Bitte beteiligen Sie sich an unserer Verlosungsaktion, und die finden Sie hier).

Wir sprachen mit Alexander von Eisenhart-Rothe über “Golden Biker”, das “Wunder 2.0″, das er selbst mit seinem Roman erlebt hat, über geplante Lesungen, weitere aktuelle Projekte und den Mikrokosmos Ibiza, wo er gemeinsam mit seiner Frau der erfolgreichen Erotikautorin Luna von Eisenhart-Rothe (http://www.luna-von-eisenhart-rothe.de/) lebt.

   

Als Redakteur diverser Reisemagazine (z.B. für “Voxtours”) warst Du rund um den ganzen Erdball unterwegs, hast u. a. eine Bikertour in Indien bis zum Himalaya dokumentiert. Bist Du so auf die Idee zu Golden Biker gekommen?

Das stimmt. Die Grund-Idee hatte ich in Goa, wo ich Peter Paulo dos Santos kennenlernte. Er vermietete (und tut das auch noch heute) die klassischen Enfield Bullets und organisiert Motorrad-Trips zum Himalaya. Doch viele andere Ideen, die einem im Laufe des Buches begegnen, hatte ich auf anderen Reisen. Zum Beispiel gibt es im ersten Teil des Buches eine Szene, die in einer Bierbar in Bombay spielt, welche immer neue Hinterzimmer hat, eines etwas schicker als das andere. In solchen Bierbars habe ich mit einem der Mafia-Bosse Indiens nächtelang gesessen und getrunken, damit ich auf inoffiziellem Weg eine Drehgenehmigung erhalte. Der offizielle Weg hätte Monate gedauert. Auch die Zigeunergruppe in Rajasthan mit dem etwas bizarren „Knietanz” gibt’s wirklich… und vieles mehr. Es gab Leser die haben mir gerade die Sachen nicht geglaubt, die ich selbst erlebt hatte. Piercings und Tattoos bei von ihrem Besitzer innig geliebten Kamelen z.B.

 
Golden Biker ist ein außergewöhnlicher Roman mit vielen Facetten. Erzähl doch bitte den Lesern aus Deiner Sicht, worum es geht.

Es ist eigentlich ziemlich schwer, eine kurze Inhaltsangabe zu machen. Auf den ersten Blick scheint Golden Biker ein Kiffer/Biker Roman zu sein. Aber beim Lesen wird man schnell feststellen, dass weder Kiffen noch Motorradfahren tatsächlich im Vordergrund stehen. Ich wollte ein extrem lustiges Abenteuerbuch zu schreiben, das verschiedenste Kulturen und Genres gnadenlos auf die Schippe nimmt und bei dem man trotzdem das Gefühl hat, am Ende etwas schlauer geworden zu sein. Eine Inhaltsangabe kann immer nur sehr unvollständig sein, da ich versucht habe eine Vielzahl von Handlungsfäden miteinander zu verknüpfen und selbst der scheinbar unbedeutensten Nebenfigur noch eine Entwicklung zu geben. Aber versuchen kann ichs ja mal:

golden-biker-cover

 

Vor der Kulisse des indischen Subkontinents versuchen, aneinandergeschweißt durch verschiedene haarsträubende Abenteuer, Artur (ein verkrachter Lebenskünstler aus Köln), Albert - genannt „Bär” (ein nach Goa ausgewanderter Imbissbuden-Besitzer), Gerd (ein deutscher Geschäftsmann in der Midlife-Crisis) und Sherie (eine atemberaubend schöne Prostituierte aus Bombay) gemeinsam eine mystische Sagengestalt im Himalaja zu finden: Den „Golden Biker”, der angeblich auf einem goldenen Motorrad durch die Berge fährt, um die Bösen zu strafen und den Guten von seinem nicht minder sagenumwobenen Marihuana zu geben… unter Kennern gerühmt als das beste Gras der Welt.
Doch der Weg, den die Vier auf uralten Motorrädern der Marke „Enfield Bullet” quer durch Indien hinter sich zu bringen haben ist weit und voller Gefahren. Erst Recht, wenn man eine sehr schlechtgelaunte Bande indischer Mafiosi, zwei dauerbekiffte israelische Geheimdienstler, eine Bande „politisch korrekter” Zigeuner, einen Guru wider Willen, einen splitterfasernackten Blasrohrschützen, einen verwirrten aber fanatischen Alt-Nazi samt seiner Privat-Armee, sowie zwei freiberufliche Killer aus Bombay auf den Fersen hat. Und das ist erst der Anfang einer Spirale von Missverständnissen und Katastrophen, die beinahe in einem internationalen Zwischenfall endet. Die vier Protagonisten jedoch trotzen allen Widrigkeiten und gelangen schließlich an ihr Ziel, ein bis dato einsames Tal im Himalaja… Wo in furioser Schlacht alle Beteiligten gegen- und miteinander ein ziemlich überraschendes Finale erleben.

 

 

Meine Lieblingsfigur im Roman ist der ehemalige Top-Manager Gerd, der davon träumt einmal eine Eisrevue zum heißen Herbst 1977 zu inszenieren. Hast Du auch eine Lieblingsfigur?

Oh, das ist als würde man einen Vater fragen, welches sein Lieblingskind ist. Ich mag sehr die zuerst scheinbar unbedeutenden Nebenfiguren, wie z.B. Sunil, den kleinen Rikschafahrer. Zuerst nur eine winzige Nebenfigur, nimmt seine Geschichte eine vollkommen unerwartete Wendung und am Ende ist er Guru und Anführer einer weltweiten Sekte. Oder Wu, den chinesischen General, der asiatische Gesichter nicht auseinanderhalten kann. Oder … Hach, ich mag sie einfach alle…

 

Das Cover des Romans zieren Comicfiguren vor dem Taj Mahal. Wer hat diese Figuren gezeichnet?

Tja, das war ich selbst… tatsächlich hat meine Karriere nämlich als Cartoonist bei Bastei-Lübbe angefangen. Da war ich 17 und hab mir so mein Taschengeld verdient. Erfreulicherweise habe ich damals mit Zeichnen mehr Geld verdient als mein blöder Kunstlehrer aus der Schule, der mir ein Jahr zuvor versichert hatte, ich hätte keinerlei künstlerisches Talent und mich den Kunstraum fegen ließ.

 
Wie hast du deine Arbeit an Golden Biker organisiert? Es gibt neben den Protagonisten unzählige Nebenfiguren, die alle durchs Buch hindurch eine abgeschlossene Geschichte haben. Wie ist es dir gelungen, den Überblick zu behalten?

Von der Idee bis zum Buch habe ich fünf Jahre gebraucht. Naja, zugegeben lag das aber auch daran, dass ich durch meinen Job nicht gerade kontinuierlich Zeit hatte daran zu schreiben. Das Exposé habe ich unterwegs geschrieben. Ich musste zu dieser Zeit sehr viel reisen und so schrieb ich, wenn immer ich Zeit dafür fand…im Flugzeug, abends im Hotel, auf winzigen Südsee-Inseln und auf Schiffen. Ich wollte bereits beim Konzept so präzise wie möglich sein, damit ich später den Überblick nicht verlieren würde. Aufgrund der von mir geplanten vielen Handlungsstränge musste ich mir jedoch eine Art Diagramm anlegen, denn jede agierende Person hat ja nicht nur ihre eigene Entwicklung, sondern trifft auch eine andere Person, die wieder eine eigene Geschichte hat. Und damit sie sich präzise zu dem richtigen Zeitpunkt treffen, um ihre eigenen Geschichten gegenseitig voranzutreiben, musste ich mir einen tabellarischen Gesamtüberblick verschaffen. Bei zwei Personen geht´s ja noch, bei 20 wird’s dann schon haarig. Die Kunst ist dann, den Leser trotz der vielen Charaktere und Ereignisse nicht zu verwirren, sondern jeden Handlungsstrang so miteinander zu verknüpfen dass er das Tempo nicht drosselt sondern, ganz im Gegenteil, vorantreibt. Man nehme quasi einen Haufen roter Fäden und knüpfe sie zu einem soliden Tau. Das Ergebnis ist eine sehr dichte, schnelle Geschichte mit extrem hoher Comedy-Taktung… ja, da geht dann der Comedy-Regisseur mit mir durch. Das hört sich jetzt alles sehr theoretisch an. Ums kurz zu machen, mein Buch liest sich wie ein sehr tempo-, humor- und actionreicher Film.

 
Bei der Suche nach einem Verlag für Golden Biker hat es einige Probleme gegeben. Wie kommt es, dass Golden Biker nun glücklicherweise doch noch veröffentlicht wurde?

14 Verlage lehnten das Buch ab. „Zu freaky”, „nicht literarisch genug”, „ein deutscher Autor darf das nicht!” (mein Lieblingsspruch in diesem Zusammenhang) und fast immer „Passt nicht in unser Programm”. Ich schickte das Manuskript an Peter Paulo dos Santos in Goa, schließlich war ja dort die Idee entstanden. Wieder folgte eine geraume Schubladenzeit, ich hatte „Golden Biker” geistig abgehakt und mich anderen Projekten zugewandt. Anfang 2009 passierte dann etwas, was ich als „kleines Wunder” bezeichne. Peter aus Goa ließ mich wissen, dass mein Manuskript in den vergangenen Jahren in seinem Hotel in der Lobby zum Lesen ausgelegen hatte. Und die Gäste liebten es. Ohne dass ich eine Ahnung gehabt hatte, hatte sich dieses eine Exemplar zu einem kleinen Kultbuch innerhalb der Biker-Szene Indiens entwickelt. Rezensionen wurden geschrieben und per Mundpropaganda dieses eine, mittlerweile arg zerfledderte Manuskript, das dort in der Lobby lag, begeistert empfohlen.

Peter war es dann auch, der vorschlug, wenn die Verlage in Deutschland das Potential nicht erkannten, das Buch doch einfach in Indien zu verlegen und es in Deutschland zu verkaufen. Zuerst war ich nicht sicher, die Absagen der Verlage saßen mir doch noch arg in den Knochen. Also startete ich im Amazon-Leserforum ein „Testlesen” meines Buches, mit der Bitte um knallharte Rezensionen. 50 Testleser bekamen ein PDF-File mit dem Manuskript.

Was dann folgte würde ich als „Wunder 2.0″ bezeichnen. Die Leser fanden es nicht nur gut - sie waren schlicht begeistert. Die Reaktionen (auf meiner Homepage und auf Amazon zu lesen) waren derart positiv, dass ich Peter das OK gab. Wir besorgten eine deutsche ISBN-Nummer und los gings.
Kleine Randbemerkung: Peter ließ tatsächlich das Manuskript drucken, welches bei ihm in der Lobby lag. Nur das dies meine erste, quasi frisch runtergerotzte Fassung war. Aus diesem Grund hat die erste Auflage auch eine ganze Reihe fieser Flüchtigkeits- und Kommafehler zu bieten, die in der zweiten Auflage aber ausgemerzt worden sind. Wer also noch eine Erstausgabe hat, kann ja mit mir gemeinsam hoffen, dass mein Buch irgendwann ganz dolle berühmt wird. Dann ist das Buch dann „noch eines mit Fehlern” und tierisch was wert und man kann es gegen ein Eigenheim tauschen oder so.

 

Im Web 2.0 hat Golden Biker schon für einige Furore gesorgt, auf Facebook gibt es eine eigene Golden Biker-Fangruppe. Was planst du an weiteren Werbeaktionen, um Golden Biker noch bekannter zu machen?

Vor einigen Wochen sprach mich eine bekannte Literaturagentur an, sie würden gerne mit dem Golden Biker einen neuen Versuch auf der Buchmesse im Herbst starten. Einzige Bedingung: Ich müsse den Titel ändern. Denn es sind wohl in erster Linie Frauen, die Bücher kaufen und keine Frau würde bei einem Buch zugreifen, welches das Wort „Biker” im Titel trägt. Dieses Argument kann ich sogar nachvollziehen und da ich nicht sklavisch am Titel klebe, bin ich jetzt dabei, mir den Kopf nach einem Alternativ-Titel zu zerbrechen. Vorschläge welcome, (siehe unsere Aktion, und die gibt es hier) .
Natürlich weiß ich nicht, ob die Titeländerung bei den deutschen Verlagen etwas bewirken wird und deshalb werde ich weiterhin daran arbeiten, die indische Buchfassung mit Originaltitel zu promoten. Das Internet und die dortige Community spielte und spielt dabei eine sehr große Rolle. Ausgelöst durch die Testlese-Aktion bei Amazon habe ich dort Leser gefunden, die durch ihre Begeisterung die Existenz des Buches streuen. (Die Reaktionen der Testleser kann man auf der Amazon-Seite des Buches http://www.amazon.de/Golden-Biker-Alexander-von-Eisenhart-Rothe/dp/3000276432/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1249750386&sr=8-1 bzw. auf der Homepage http://www.golden-biker.de/ nachlesen.) Gerade Internet-User sind in dieser Richtung sehr aktiv und die undergroundmäßige Entstehungsgeschichte des Buches passt zu der unkonventionellen Verbreitung. „Golden Biker” verdankt seine Entstehung der Mundpropaganda seiner Leser und es hat dadurch eine bemerkenswerte Eigendynamik entwickelt. Nach all den Absagen der Verlage hatte ich den Glauben an mein Buch schon verloren, insofern ist jeder Leser, der durch seine Reaktion das Gegenteil beweist, für mich ein wunderbarer Glücksmoment. Deshalb sind es keine hohlen Phrasen, wenn ich sage, dass ich mich über jeden einzelnen Leser sehr freue. Besonders liebe ich in diesem Zusammenhang Lesungen. Ich habe bislang zwei Lesungen gemacht und beide waren die reinsten Comedy-Abende. Die Zuhörer haben gebrüllt vor Lachen - eine so unmittelbare Reaktion bekommt man sonst ja nicht. Jeder lachende Zuschauer ist für mich ein Beweis, dass Lektoren halt doch nicht immer Recht haben. Denn letztendlich waren es die Leser, die dafür gesorgt haben, dass mein Buch doch noch erscheinen konnte.

Alexander von Eisenhart-Rothe beim Biken in Indien

Alexander von Eisenhart-Rothe beim Biken in Indien

 
Als wir vor einigen Wochen Mailkontakt hatten, hast Du Dich gerade um Lesungen hier in Deutschland bemüht. Wann und wo wirst Du in Deutschland zu sehen und zu hören sein?

Alle Lesungstermine und Infos gebe ich auf der Facebook-Fanseite und im Golden Biker-Blog bekannt. (Einfach mal „Golden Biker” auf Facebook eingeben und als Fan eintragen http://www.facebook.com/home.php#/pages/Golden-Biker/92808770911?ref=mf, dann wird man automatisch informiert. Zum Blog kommt man über die Golden Biker Homepage http://goldenbiker.blogspot.com)
Bisher sind geplant: Köln, (am 30 September), München (Anfang September), Wolfenbüttel , (am 08.September), Ibiza ((Mitte September) und Wien (noch kein Termin). Ich würde sehr gerne auch mal in Berlin lesen, aber dort habe ich leider keine notwendigen Kontakte. (Anm. der Redaktion: Also, Leute, wer Kontakte zu passenden, “lustigen” Locations in Berlin hat und da entsprechend was vermittelt, melde sich bitte entweder bei uns (info(at)ars-scribendi.com) oder direkt beim Autoren!) und gewinnt ein exklusives, hochintimes Meet and Greet mit dem Autoren himself :-) oder eine ähnlich tolle Sache, die es nicht zu kaufen gibt …)

 

Kannst Du schon etwas darüber verraten, wie Du Deine Golden-Biker-Lesungen inszenieren wirst?

Ich liebe Lesungen, denn „Golden Biker” Lesungen sind sowohl für mich als auch Publikum ein Riesenspaß. Ich finde es tödlich langweilig, einfach vorne zu sitzen und abzulesen. Deshalb habe ich meinen verschiedenen Charakteren eigene Stimmen, Dialekt und Akzente gegeben. Es ist beinahe wie ein Life-Hörspiel, mehr Comedy-Abend als Autoren-Lesung im klassischen Sinne. Außerdem lasse ich mich vom Publikum testen: Wählen sie eine beliebige Seite die ich vorlesen soll und ich garantiere: sie werden lachen.
Übrigens lese ich vorzugsweise an Orten, die zu der undergroundmäßigen Story des Buches passen. In Köln lese ich in einer Art Punk/Underground Bühne, in München in einer Bar und in Wolfenbüttel an einem aufgeschütteten City-Strand. Sollte jemand also ein lustiges Comedy-Lese-Event veranstalten möchten - ich freu mich!

 
Auf der Website zu Golden Biker und auch auf dem Buchrücken lobt Bastian Pastewka das Buch. Welche Verbindung hast Du zu ihm?
Basti und ich kennen uns seit 1994, als wir beide unsere TV Karriere beim WDR begannen. Wir hatten eine gemeinsame Comedy-Sendung namens „Wichtig” für die wir schrieben und spielten. Später wollte ich dann reisen, habe jahrelang Voxtours und andere Formate gemacht. Bis ich irgendwann die Comedy vermisste und die Idee hatte, man müsse doch mal Reisen und Comedy verbinden. Natürlich sprach ich Basti an, von dem ich wusste, dass er reisen nicht ausstehen kann. Genau deshalb wollte ich ihn als Moderator der Sendung haben. Nachdem ich ihn ein halbes Jahr bearbeitet hatte, willigte er schließlich ein. Das Ergebnis war die RTL Reisecomedy „Pastewka in…” (und dann wahlweise …Indien, …Japan, …Russland etc etc.)

 

Sind demnächst weitere Projekte mit Bastian Pastewka in Planung?
So gerne RTL hätte, dass wir die „Pastewka in…” Reihe fortsetzen… es wäre nur eine ständige Wiederholung und wird deshalb nicht mehr passieren. Da der Kontakt aber nach wie vor vorhanden ist, kann man nie sagen, was noch kommen wird.

 

In diesem Jahr warst Du für die Comedy-Doku „Ich bin ein Star holt mich hier raus” als Head of Field Production tätig. Was war hier Dein Job genau?
Haha! Das war ja klar, das ich danach gefragt werde… aber im Ernst, das ist zu diesem Thema die intelligenteste Frage, die mir bisher gestellt wurde. Meist fragt man mich, ob ich auch Kakerlaken essen musste und ob in Wahrheit alles Fake ist (Nein…und nein.)
Diese Show ist extrem aufwändig und das notwendige Team riesig. Für die Inszenierung gibt es drei Positionen. Das ist zunächst einmal der Hauptregisseur, der die Live-Sendung betreut, die Moderationen etc macht. Dann gibt es einen zweiten Regisseur, der für die Prüfungen zuständig ist (also das berühmte Kakerlaken essen, und was die Promis sonst noch so über sich ergehen lassen müssen) Dann gibt es noch einen dritten Posten, der alles abdeckt, was nicht im Camp passiert, was also nicht über die festinstallierten Kameras eingefangen werden kann. Dieser Posten nennt sich Head of Field Producer. In dieser Position muss ich die mobilen Kamerateams dirigieren, die sogenannten Schatzsuchen inszenieren, bin für die nicht im Camp gemachten Interviews verantwortlich und muss den Ein- und Auszug aus dem Camp koordinieren und inszenieren. Konkret heißt das, das ich sozusagen die Eröffnungssendung stemmen muss, dann außer den Schatzsuchen erstmal etwas kürzer treten kann und am Ende bei jedem Rausschmiss der Kandidaten wieder zum Einsatz komme. Ich habe vier Kamerateams zur Verfügung, jedem steht ein Realisator vor, ein sogenannter Field Producer. Naja, und deshalb Head of Fields.

 
Auf Facebook konnte ich lesen, dass Du momentan einen neuen Roman schreibst. Worum geht es dabei?
Ich möchte mich an einen historischen Roman wagen… allerdings in meinem Stil. Genauso wie ich Informationen und Hintergrundwissen zu Indien derart in den Golden Biker eingebaut habe, dass man es fast nicht merkt und niemals belehrend daherkommt, möchte ich die historischen Fakten in einem saulustigen Roman verweben. Meine Figuren sollen realistisch wirken, fast modern. Nur weil sie sich in einem historischen Umfeld bewegen müssen sie nicht gestelzt und altertümelnd sprechen. Ich weiß natürlich, dass sich ein Mensch des ausgehenden 15. Jahrhunderts nicht so unterhalten hat wie wir, aber den kleinen Kniff erlaube ich mir. Es soll eine Abenteuergeschichte zwischen drei Kulturen und Religionen werden, deren Hauptdarsteller unfreiwillig in historische Ereignisse gezogen werden. Und natürlich wird es wieder eine Unzahl absurder Nebenfiguren geben. Zum Inhalt verrate ich aber noch nichts…

 
An welchen weiteren Projekten arbeitest Du momentan?
Es gibt immer die Dinge, die man fürs Herz tut…und die für die Miete. Ich arbeite an verschiedenen TV-Projekten: zwei Comedy-Piloten, eine mehrteilige Doku-Soap und an der Formatentwicklung einer neuen Reisecomedy.
Ansonsten natürlich mein historischer Roman, was sich aber ziemlich zieht, da ich hierfür einen Berg Recherche bewältigen muss.

 

Welchem Medium gibst Du den Vorzug: Buch oder Film?
Ufff… schwere Frage. Ich liebe beides. Auch wenn die Arbeit natürlich ganz unterschiedlich ist. Interessanterweise sagt man mir nach, am Drehset vollkommen entspannt zu sein (was auf mich normalerweise eher nicht so zutrifft…). Filmen ist Teamwork und vom Kameramann über den Hauptdarsteller bis hin zum Praktikanten der Kaffee kocht sind alle wichtig. Am Set zu stehen und mit allen Farben der Palette malen zu dürfen - Schauspieler, Kostüm, Licht, Deko, Requisiten und Kamera - das bedeutet mir sehr viel und ich stehe oft an meinem Monitor und freue mich, dass ich sowas Schönes machen darf. Erst recht, wenn ich auch das Drehbuch geschrieben habe.
Ein Buch zu schreiben hingegen ist eine viel anstrengendere und einsamere Tätigkeit. Alles was geschieht, geschieht nur in meinem Kopf. (Kein Wunder das es da manchmal mit mir durchgeht)Andererseits ist in meinem Kopf-Kino alles, wirklich alles möglich. Beim Schreiben darf ich mich austoben. Während beim Fernsehen und Film jede kleine Idee sehr viel Geld kostet, ist beim Schreiben erst einmal alles möglich. Wenn ich, wie im Golden Biker, auf die Idee komme, halb Delhi in Schutt und Asche zu legen und zum Finale eine Riesenschlacht im Himalaya inszeniere, kostet mich das beim Schreiben nur Zeit. Beim Film wäre es mörderisch teuer und ich wäre gezwungen Kompromisse einzugehen, die ich nicht eingehen möchte.

 
Und das Internet???

Das Internet ist die Chance, Stoffe und Ideen, die auf dem kommerziellen Markt keine Chance hätten, einem Publikum zu präsentieren. Es ist die große „Stille Post”, die auch kleinen Projekten, die keine großen Geldgeber haben, eine Plattform bieten kann. Insofern scheint es mir fast das „ehrlichste” Medium, denn wenn das, was du hier präsentierst nicht gut ist, wird es nicht angenommen und weiterkommuniziert. Natürlich gibt es auch hier Werbestrategien, aber letztendlich zählt einzig und allein das Produkt. Auf dem kommerziellen Markt wird mit Hilfe großer PR-Maschinerie auch aus Scheisse Gold gemacht. Siehe Mario Barth…
Wie gesagt, die großen Verlage haben mein Buch unisono abgelehnt. Ich bin ihnen nicht mal böse. Verlage sind marktwirtschaftlich orientierte Unternehmen, die nun mal Geld erwirtschaften müssen. „Golden Biker” ist für jeden Verlag erstmal ein Risiko, denn schließlich scheint es auf den ersten Blick um Drogen, Biker und Nazis zu gehen. Nicht gerade ein Verkaufsgarant. Ohne das Internet hätte mein Buch niemals eine Chance gehabt. Das es nun doch noch seine Leser findet, verdanke ich also den Lesern selbst. Manchmal möchte ich den Verlagen die Zunge rausstrecken und „Ätsch!” sagen… aber wie gesagt, ich kann sie sogar verstehen.

 

Du lebst mit Deiner Frau auf Ibiza. Was ist der Reiz daran, dort zu leben?
Ibiza ist nicht Spanien, Ibiza ist die ganze Welt im Mikrokosmos. Ob man es jetzt esoterisch ausdrücken will oder nicht, aber irgendetwas hat diese Insel. Menschen von überall ziehen nach Ibiza und es ist eine spannende Mischung aus verschiedensten Kulturen, Nationen, Religionen, Sichtweisen und sozialen Schichten entstanden. Auf Ibiza ist es egal, was du hast oder was du beruflich darstellst, zuerst einmal zählt immer wer du bist. Es herrscht eine große Toleranz, solange du niemand schadest, kannst du anziehen was du willst, glauben was du willst und machen was du willst. Ich genieße es einfach mit dem deutschen Ex-Knacki und Autoschrauber, dem englischen Koch, der indischen Partyveranstalterin, der italienischen Malerin, der amerikanischen Musikerin, dem spanischen Dachdecker, dem belgischen Maler, dem türkischen Imbissverkäufer und dem deutschen Multimillionär an einem Tisch zu sitzen und alle haben eine Ebene, einen gemeinsamen Draht der soziale, kulturelle und finanzielle Unterschiede wegwischt. Und abgesehen davon ist es ziemlich geil, morgens ins Meer zu springen.

 

Deine Frau ist ebenfalls als Autorin tätig. Tauscht Ihr Euch über Eure Arbeit aus oder macht jeder sein eigenes Ding?

Wir tauschen uns ständig aus. Luna http://www.luna-von-eisenhart-rothe.de/ hat sehr erfolgreich zwei Bücher mit erotischen Kurzgeschichten im Heyne-Verlag („Saftig” , „Ganz nackt”) veröffentlicht und arbeitet bereits am nächsten Buch. Sie ist wesentlich präziser in der Wortwahl, sie schafft es stunden- oder sogar tagelang an einem Satz zu arbeiten bis er exakt so formuliert ist, wie sie es haben will. Dafür hätte ich niemals die Geduld. Ich bin eher der Typ fürs Grobe, ich hab ständig Ideen, welchen Verlauf eine Geschichte nehmen könnte, welchen überraschenden Twist. Wir lesen uns unsere Sachen ständig vor und dann wird knallhart kritisiert. Wir haben da ein kleines Ritual: Jeden Morgen gehen wir mit den Hunden am Meer spazieren und setzen uns anschließend auf einen Steg. Kaffee aus der Thermoskanne, Donuts..und dann wird gefrühstückt. Und bei dieser Gelegenheit sprechen wir über unsere Arbeit, entwickeln Ideen, arbeiten an Problemen und versuchen uns gegenseitig auf die Sprünge zu helfen, wenn man sich mal irgendwo festgebissen hat. Natürlich sind Erotik und Comedy zwei extrem unterschiedliche Genre, aber unterm Strich ist doch beides die gleiche Tätigkeit. Und wenn Luna mich beim Frühstück nach einem Synonym für „Muschi” fragt, wundert mich das schon lange nicht mehr.

 
Wo und in welcher Rolle siehst Du Dich in fünf bis zehn Jahren?
Genau da, wo ich jetzt bin… nur ein bisschen schlauer und mit einem neuen fertigen Buch in der Hand.

 

 Danke, Alexander, für das tolle Gespräch!

 

Und hier gibt es noch jede Menge mehr an Lesestoff über “Golden Biker” und Alexander von Eisenhart-Rothe:

Homepage “Golden Biker”
www.golden-biker

Golden Biker-Fangruppe auf Facebook:

http://www.facebook.com/s.php?q=golden+biker&init=quick#/pages/Golden-Biker/92808770911?ref=search

Golden-Biker-Blog

http://goldenbiker.blogspot.com

Website von Alexander von Eisenhart-Rothe

http://www.voneisenhart-rothe.de/


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  1. 1. Aus “Golden Biker” mach… - Kulissenblog

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